Use Case 03 · Produktmanagement & Anwendungstechnik

Wie aus Produktdaten belastbare Auslegung wird.

Ein Pumpen- und Komponentenhersteller mit rund 50 Produkten und Varianten über drei Werkstofflinien. Nach dem ersten produktiven Agenten laufen die wiederkehrenden Anfragen ohne die Anwendungstechnik. Das sind rund 160 Stunden im Jahr, und vier bis fünf vermiedene Fehlauslegungen, die deutlich mehr kosten.

30-Minuten-Gespräch Zur Rechnung
Anonymisiert aus echten Produkt- und Servicedaten Jede Antwort mit Norm und Beleg Microsoft-nativ, Zugang über Teams
01 · Ausgangslage

Breites Portfolio. Auslegungswissen in wenigen Köpfen.

Fasspumpen, Container-Pumpen, Varianten in PP, PVDF und Edelstahl, über viele Medien. Welche Variante für welche Anwendung passt, wissen wenige Experten. Bei jeder Anfrage entscheidet, wer gerade greifbar ist.

Produkte & Varianten
~50
über das Portfolio
Werkstofflinien
3
PP · PVDF · Edelstahl
Anfragen pro Jahr
~150
Vertrieb und Handel
Standardfragen
~60 %
wiederkehrend

Repräsentatives Profil. Die Aggregat-Zahlen sind Modellannahme, die Produkte und das Beispiel weiter unten stammen aus echten Produkt- und Servicedaten.

02 · Die Rechnung

Zwei Rechnungen. Die zweite ist die wichtigere.

Die Anwendungstechnik wird zum Durchlauferhitzer: dieselben Fragen, immer wieder, oft mit derselben Antwort. Das kostet Stunden. Aber der eigentliche Schaden entsteht dort, wo die Frage nicht gestellt wird und die falsche Variante ins Angebot wandert.

Rechnung 1 · Die Stunden

Anfragen im Jahraus Vertrieb und technischem Handel~150
Davon wiederkehrende Standardfragen60 %, erhoben in der Struktur- und Datenanalyse90
Zeit je StandardfrageRückfrage klären, Datenblatt und Norm suchen, Antwort formulieren~1,5 h
Aufwand für Standardfragen135 h
Dazu Belegsuche bei echten Auslegungen60 Fälle, davon rund 2 h Suche nach Vergleichsfall und Nachweis120 h
Sucharbeit heute255 h
Freigesetzt nach dem ersten AgentenStandardfragen laufen weitgehend ohne die Anwendungstechnik, Belegsuche etwa halbiert~160 h
Gegenprobe: 160 Stunden auf zwei Köpfe in der Anwendungstechnik sind 80 Stunden im Jahr, also rund 20 Minuten Help-Desk pro Kopf und Arbeitstag. Fragen Sie Ihre Anwendungstechnik, ob 20 Minuten am Tag zu hoch gegriffen sind. Die Antwort ist meistens ein Lachen.

Rechnung 2 · Die Fehlauslegung

Bei 150 Anfragen im Jahr und einer Fehlauslegungsquote von drei Prozent sind das vier bis fünf falsche Varianten pro Jahr. Jede zieht Reklamation, Nachlieferung, Klärungsschleife und Kulanz nach sich. Eine einzige davon kostet mehr als der gesamte Einstieg.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Suche und einer Auslegung. Der Agent findet nicht nur, was passt. Er schließt aktiv aus, was nicht geht, und nennt die Norm oder den Servicefall, aus dem der Ausschluss stammt. Eine Ähnlichkeitssuche kann das prinzipiell nicht.

Die 60 Prozent Standardfragen stammen nicht aus einer Studie, sondern aus der Struktur- und Datenanalyse bei diesem Kunden: Auswertung der Anfragehistorie aus Vertrieb und Handel. Die Fehlauslegungsquote ist eine vorsichtige Modellannahme, weil Fehlauslegungen selten sauber erfasst werden. Beides sind Werte dieses Falls, keine garantierten Ergebnisse.

03 · Befund aus der Struktur- und Datenanalyse

Vier Quellen, die nicht miteinander sprechen.

Das kam in Stufe 1 heraus. Produkt, Norm, Erfahrung und Feldrückmeldung liegen in vier getrennten Welten:

QUELLE 01

Produkt-Dossiers

Kerndaten, Medien-Eignung, Werkstoffe und Ausschlüsse. Die beste Quelle, aber nicht durchgängig gepflegt.

QUELLE 02

Normen & Standards

PED, ATEX, Werkstoffrichtlinien, Zulassungen. Vorhanden, aber nicht mit dem Produkt verknüpft.

QUELLE 03

Alte Angebote

Was wurde gewählt, und mit welcher Begründung. Genau das Warum ist nach zwei Jahren nicht mehr auffindbar.

QUELLE 04

Servicefälle

Feldrückmeldung: welche Paarung hielt, welche versagte. Liegt im Service und erreicht die Auslegung nie.

Der Befund war nicht, dass Wissen fehlt. Der Befund war, dass die Feldrückmeldung aus dem Service nie in der Auslegung ankommt. Deshalb wiederholt sich dieselbe Fehlauslegung.

04 · So sind wir vorgegangen

Fünf Stufen. Vom Telefonat bis zum Fundament.

Derselbe Weg wie bei jedem Projekt. Nach jeder Stufe konnte der Kunde aussteigen.

00 · GESPRÄCH

30 Minuten am Telefon

Das Produktmanagement schildert, was Kapazität frisst: dieselben Fragen, Reklamationen aus falscher Werkstoffwahl, uneinheitliche Auskünfte nach außen.

kostenlos
01 · ANALYSE

Struktur- & Datenanalyse

Zwei Datenpakete freigegeben, eine Produktgruppe mit Datenblättern und die Anfragehistorie. Ergebnis: der Befund oben, plus die 60-Prozent-Zahl.

1.200 € · wenige Tage
02 · WORKSHOP

Prioritäten-Workshop

Ein Tag mit PM und Anwendungstechnik. Medien, Werkstoffe, Zertifizierungen und vor allem die Ausschluss-Regeln festgelegt.

2.800 € · 1 Tag
03 · POC

Proof of Concept

Agent auf einer echten Produktgruppe, getestet an fünf realen Anfragen aus dem Tagesgeschäft.

9.800 € Festpreis · 1 Woche
04 · FUNDAMENT

Umsetzung im eigenen System

Produktiv im Azure-Tenant, Zugang über Teams, auch für den technischen Handel freischaltbar. Dossierstruktur, Berechtigungen, Pflegeprozess und die Ausbildung des internen Champions.

nach Kostenkorridor aus dem POC

Bis zur Entscheidung über den POC hatte der Kunde 4.000 € investiert. Zu diesem Zeitpunkt lag die Rechnung von oben bereits auf dem Tisch, mit Zahlen aus dem eigenen Haus.

05 · Die POC-Woche im Detail

Eine Woche, ein halber Tag Aufwand beim Kunden.

TAG 1

Datenpaket

Eine Produktgruppe mit Datenblättern und Normen übergeben. ½ Tag IT-Aufwand.

TAG 2

Kriterien schärfen

Zwei Stunden mit PM und Anwendungstechnik: Medien, Werkstoffe, Zertifizierungen und die Ausschluss-Regeln.

TAG 3–4

Agent-Setup

Reader, Klassifizierer, Dossier-Builder und Filter-Index konfiguriert. Erste Eignungsmatrizen entstehen automatisch.

TAG 5

Test

Validierung an fünf realen Anfragen, Übergabe an PM und Anwendungstechnik.

ERGEBNIS

Entscheidung

Datenqualitätsbewertung, Umsetzungskonzept, Kostenkorridor, Empfehlung. Trägt auch bei einem Nein.

06 · Was gebaut wurde

Vier Module auf einer Wissensbasis.

MODUL 01

Reader

Liest und extrahiert aus Produkt-Dossiers, Datenblättern, Normauszügen und alten Angeboten.

MODUL 02

Klassifizierer

Erkennt Eignungsmerkmale: Medium, Konzentration, Werkstoff, Druck, Temperatur, Zertifizierung, Variante.

MODUL 03

Dossier-Builder

Baut je Variante eine Eignungsmatrix, mit Belegen aus Norm, Angebot und Servicefall — inklusive der Ausschlüsse.

MODUL 04

Filter-Index

Macht das Portfolio deterministisch durchsuchbar nach Medium, Werkstoff und Anwendung. Vollständige Trefferlisten.

07 · Die Implementierung

Struktur zuerst. Dann erst die Suche.

Der übliche Weg wäre, alle Unterlagen in einen Vektorindex zu kippen und die KI suchen zu lassen. Das funktioniert für einfache Fragen und versagt genau dann, wenn es darauf ankommt. Deshalb steht am Anfang nicht die Suche, sondern die Definition: Was macht eine Produktvariante aus?

Die Wissensbasis, zwei Schichten

Primär: Dossiers mit definierten Kerndaten
Pro Variante ein strukturierter Datensatz: Medium und Konzentration, Temperaturfenster, Druck, medienberührende Werkstoffe, Dichtungswerkstoff, Gleitringpaarung, Zertifizierung, freigegebene Anwendungen und die ausdrücklichen Ausschlüsse mit Quelle. Welche Felder ein Dossier hat, wurde im Prioritäten-Workshop mit Produktmanagement und Anwendungstechnik festgelegt.
Backup: Vektorindex über die Rohordner
Das Auffangnetz für alles, was in kein Feld passt. Die Begründung, die nur in einem alten Angebot steht, oder eine Randnotiz aus einem Reklamationsvorgang.

Warum diese Reihenfolge entscheidend ist: Eine Abfrage auf den Dossiers ist deterministisch. medium:Schwefelsäure & konzentration:30% & temp:<60°C liefert jedes Mal alle Treffer, nicht die fünf ähnlichsten. Wer eine Variante freigibt, muss wissen, dass er alle Ausschlüsse gesehen hat. Ein reiner Vektorindex kann das nie zusichern.

Der technische Aufbau

Sprachmodell
Azure OpenAI Service im Tenant des Kunden, EU-Region. Die Daten verlassen den Tenant nicht, es wird nicht auf ihnen trainiert.
Orchestrierung
n8n als Workflow-Engine, self-hosted in einem Azure Container. Sie erkennt neue Unterlagen, liest sie ein, füllt das Dossier und schreibt in den Index.
Zugang
Microsoft Teams. Kein neues Login, kein zusätzliches Werkzeug. Der Agent sitzt dort, wo Vertrieb, Anwendungstechnik und der technische Handel ohnehin arbeiten.
Berechtigungen
Entra ID. Freigegeben wird über App-Richtlinien an bestimmte Gruppen. Die Identität wandert in jede Anfrage: Wer ein Laufwerk heute nicht sehen darf, bekommt daraus auch keine Antwort.
Protokollierung
Jede Frage, jede Quelle, jede Antwort. Nachvollziehbar, auch Monate später.

Alles im Microsoft-Stack, den der Kunde ohnehin betreibt. Kein Parallel-System, kein zusätzlicher Anbieter in der Kette. Wer keinen Microsoft-Stack hat, bekommt denselben Aufbau anders verankert: EU-Cloud, semi On-Prem im eigenen Haus oder voll On-Prem. Die Sicherheitsstufe wählt der Kunde, sie bestimmt den Aufwand.

08 · Der interne Champion

Am Ende steht einer im Haus, der es kann.

Das wichtigste Ergebnis der Umsetzung ist kein Agent, sondern ein Mensch. Ein Mitarbeiter wird ausgebildet, bis er das System im Alltag selbst betreut. Er ist die Anlaufstelle im Haus, nicht wir.

Was der Champion übernimmt

Die Betreuung im Alltag
Neue Varianten anlegen, Eignungsfelder und Ausschlüsse ergänzen, Nutzer aufschalten, auch im Handel. Die Handgriffe, die sonst jedes Mal eine Anfrage nach außen wären.
Die erste Anlaufstelle
Eine Auskunft passt nicht, ein Ausschluss fehlt, eine Norm ist neu. Das klärt der Champion, meist in Minuten.
Kleine Erweiterungen
Die n8n-Workflows sind offen und visuell aufgebaut. Ein neues Dokumentformat oder eine zusätzliche Ablage hängt er selbst an.

Wie er dazu kommt

Er ist von Anfang an dabei
Kein Wissenstransfer am Schluss, sondern Mitarbeit ab dem Prioritäten-Workshop. Er kennt jede Entscheidung, weil er dabei war, als sie getroffen wurde.
Einarbeitung in Tagen, nicht Wochen
n8n ist visuell, die Dossierstruktur hat er mitdefiniert. Wer technisch interessiert ist und das eigene Fachgebiet kennt, braucht keine Entwicklerausbildung.
Dokumentiert, nicht mündlich
Pflegeprozess, Feldlogik und Workflows sind schriftlich übergeben. Fällt der Champion aus, kann ein Nachfolger übernehmen.

Damit verschiebt sich auch unsere Rolle. Der Alltag liegt beim Kunden, wir kommen für das, was darüber hinausgeht: der nächste Prio-Fall, ein Modellwechsel, die Qualitätsprüfung der Auslegungsantworten, die strukturellen Themen. Nicht dafür, dass jemand ein Dokument nachlädt.

09 · Wie das Ergebnis aussieht

Eine Frage. Eine Empfehlung mit Ausschluss.

Der Vertrieb fragt in Teams. Der Agent rät nicht, er fragt nach Betriebsart und Temperatur, bevor er antwortet, und nennt zu jeder Aussage die Quelle.

medium:Schwefelsäure & konzentration:30% & betriebsart:Umfüllen & temp:~40°C

Empfehlung · GP-E2, PVDF-Premium

MedienberührtPVDF
DichtungFKM
GleitringpaarungSSiC/SSiC
BetriebsartUmfüllen, nicht Dauerbetrieb
Zu prüfenPED-Einstufung bei Druckgerät

Aktiv ausgeschlossen

GP-E1 in PPfür Säuren nicht freigegeben
Paarung Kohle/WCversagt in verdünnter H₂SO₄
Dauerbetriebnicht abgedeckt, Rückfrage nötig

Belege

  • Produkt-Dossier GP-E2 · Medienbeständigkeitstabelle PVDF
  • Servicefall 11 · Ausfall Kohle/WC bei verdünnter Schwefelsäure
  • Norm PED 2014/68/EU · Einstufung Druckgerät

Die rechte Spalte ist der eigentliche Wert. Nicht was passt, sondern was ausgeschlossen ist — und warum, mit Quelle. Genau das steht heute nirgends und verhindert die Reklamation im Feld.

10 · Wirkung

Drei Effekte, einer davon zählbar.

Kapazität
~160 h / Jahr
Standardfragen laufen ohne die Anwendungstechnik, rund 20 Minuten pro Kopf und Tag
Fehlauslegung
4 bis 5 weniger
Ungeeignete Varianten werden aktiv ausgeschlossen, bevor sie ins Angebot wandern
Nach außen
konsistent
Dieselbe belastbare Auskunft für Vertrieb und technischen Handel, unabhängig vom Ansprechpartner
11 · Wie es weitergeht

Auf dem Fundament folgen die nächsten Fälle.

Läuft

Auslegungswissen

Eignungsmatrix je Variante mit Belegen und Ausschlüssen, durchsuchbar nach Medium, Werkstoff und Anwendung.

Nächster Fall

Brücke in den Handel

Dieselbe Basis für den technischen Handel freischalten. Konsistente Produktauskunft bis in die Distribution.

Danach

Rückkopplung aus dem Feld

Servicefälle fließen automatisch in die Eignungsmatrix zurück. Ein Ausfall im Feld wird zum Ausschluss in der Auslegung.

12 · Use Case als PDF

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