Use Case 02 · Service

Wie aus Servicefällen abrufbares Wissen wird.

Ein Pumpen- und Apparatebauer mit eigenem Service: acht Techniker, rund 2.000 Maschinen im Feld. Nach dem ersten produktiven Agenten steigt die Erstlösungsquote von 70 auf 85 Prozent. Das sind rund 60 vermiedene Folgeeinsätze und etwa 780 Servicestunden im Jahr.

30-Minuten-Gespräch Zur Rechnung
Anonymisiert aus realen Servicefällen Jede Antwort mit Quelle Microsoft-nativ, Zugang über Teams
01 · Ausgangslage

Service über Jahre gewachsen. Wissen in Köpfen und Berichten.

Pumpen, Dichtungen, Sensorik, Ventile, über viele Branchen und Medien. Die Diagnose-Erfahrung steckt in Serviceberichten und in einzelnen Köpfen. Mit jedem Personalwechsel verschwindet ein Teil davon.

Service-Techniker
8
Team im Feld
Maschinen im Feld
~2.000
installierte Basis
Einsätze pro Jahr
~600
Störungen und Wartung
Dokumentierte Fälle
45
Symptom · Ursache · Maßnahme

Repräsentatives Profil. Die Aggregat-Zahlen sind Modellannahme, die Servicefälle und das Beispiel weiter unten stammen aus echten, anonymisierten Fällen.

02 · Die Rechnung

Was die Fehldiagnose wirklich kostet. Und was der erste Schritt zurückholt.

Bei einer Störung entscheidet, wer gerade vor Ort ist, oft ohne zu wissen, dass derselbe Fehler längst dokumentiert ist. Es wird die erste Vermutung verfolgt, nicht die bekannte Ursache. Der Preis dafür steht nicht in der Nachkalkulation, weil er sich auf zwei Einsätze verteilt.

Servicekapazität im Jahr8 Techniker · 1.600 produktive Stunden pro Kopf12.800 h
Davon Störungseinsätzerund zwei Drittel der 600 Einsätze, der Rest ist geplante Wartung~400
Nicht beim ersten Mal gelöstErstlösungsquote 70 %, erhoben in der Struktur- und Datenanalyse120 Fälle
Zeit für die Folgeeinsätze120 × 8 h inklusive Anfahrt, Diagnose, Reparatur960 h
Dazu Vorrecherche und Rückfragenrund 1 h je Einsatz für Handbuchsuche und den Anruf beim Senior600 h
Gebundene Kapazität heute12 % der gesamten Servicezeit1.560 h
Nach dem ersten produktiven AgentenErstlösung 85 % statt 70 %, Rückfragen etwa halbiert780 h
Freigesetzte Kapazität im Jahrplus 60 vermiedene Folgeeinsätze beim Kunden780 h
Gegenprobe: 60 vermiedene Folgeeinsätze im Jahr sind gut einer pro Woche. Fragen Sie Ihre Disposition, wie oft ein Techniker ein zweites Mal zur selben Maschine fährt. Wenn die Antwort „öfter als einmal die Woche" lautet, ist die Rechnung zu vorsichtig.

780 Stunden entsprechen einer halben Vollzeitstelle im Feld. Der zweite Effekt steht in keiner eigenen Zeile und ist trotzdem der teurere: 60 Folgeeinsätze weniger heißt 60-mal weniger verlängerter Stillstand beim Kunden, oft mit einem SLA dahinter.

Die Erstlösungsquote von 70 Prozent stammt nicht aus einer Studie, sondern aus der Struktur- und Datenanalyse bei diesem Kunden: Auswertung der Serviceberichte und der Einsatzhistorie. Die 85 Prozent nach dem ersten Agenten sind das Ergebnis der Testphase, gemessen an den im Workshop vereinbarten Kriterien. Beides sind Werte dieses Falls, keine garantierten Ergebnisse.

03 · Befund aus der Struktur- und Datenanalyse

Vier Quellen. Kein gemeinsamer Index.

Das kam in Stufe 1 heraus, nach einem Gespräch und zwei freigegebenen Datenpaketen. Jede Quelle für sich ist nützlich, zusammen sind sie unauffindbar, schon gar nicht vor Ort am Gerät:

QUELLE 01

Serviceberichte

Pro Einsatz, meist Freitext. Symptom, Diagnose, Maßnahme, Zeit bis zur Lösung. Die eigentliche Erfahrung, aber unstrukturiert.

QUELLE 02

Wartungshandbücher

Schnittzeichnungen, Schaltpläne, Wartungsintervalle. Vorhanden, aber im Einsatz nicht schnell greifbar.

QUELLE 03

Ersatzteillisten

Artikelnummern und Werkstoffvarianten, OEM gegen Nachbau. Die falsche Variante kostet einen zweiten Einsatz.

QUELLE 04

Service-Köpfe

Fehlerbilder und Faustregeln einzelner Senior-Techniker. Nirgends erfasst, verschwindet mit dem Menschen.

Der Befund war nicht, dass Wissen fehlt. Der Befund war, dass es vier Ablagen ohne gemeinsame Sprache gibt. Genau das entscheidet, ob ein KI-Einsatz trägt oder nicht.

04 · So sind wir vorgegangen

Fünf Stufen. Vom Telefonat bis zum Fundament.

Derselbe Weg wie bei jedem Projekt. Nach jeder Stufe konnte der Kunde aussteigen.

00 · GESPRÄCH

30 Minuten am Telefon

Die Service-Leitung schildert, was Kapazität frisst: Zweiteinsätze, falsche Ersatzteile, der Senior am Telefon.

kostenlos
01 · ANALYSE

Struktur- & Datenanalyse

Zwei Datenpakete freigegeben, Serviceberichte und Einsatzhistorie. Ergebnis: der Befund oben, plus die Erstlösungsquote.

1.200 € · wenige Tage
02 · WORKSHOP

Prioritäten-Workshop

Ein Tag mit dem Service. Drei Fälle herausgearbeitet, das Fehlerbild-Dossier als erster. Erfolgskriterien schriftlich.

2.800 € · 1 Tag
03 · POC

Proof of Concept

Agent auf echten Serviceberichten, getestet an fünf realen Störungen aus dem Tagesgeschäft.

9.800 € Festpreis · 1 Woche
04 · FUNDAMENT

Umsetzung im eigenen System

Produktiv im Azure-Tenant, Zugang über Teams, auch mobil im Einsatz. Dossierstruktur, Berechtigungen, Pflegeprozess und die Ausbildung des internen Champions.

nach Kostenkorridor aus dem POC

Bis zur Entscheidung über den POC hatte der Kunde 4.000 € investiert. Zu diesem Zeitpunkt lag die Rechnung von oben bereits auf dem Tisch, mit Zahlen aus dem eigenen Haus.

05 · Die POC-Woche im Detail

Eine Woche, ein halber Tag Aufwand beim Kunden.

TAG 1

Datenpaket

Kleines, abgegrenztes Paket übergeben, zum Beispiel eine Geräte- oder Fehlerbild-Gruppe. ½ Tag IT-Aufwand.

TAG 2

Kriterien schärfen

Zwei Stunden mit dem Service: Symptome, Komponenten, Medien und die Lesson-Learned-Felder festlegen.

TAG 3–4

Agent-Setup

Reader, Klassifizierer, Dossier-Builder und Filter-Index konfiguriert. Erste Fall-Dossiers entstehen automatisch.

TAG 5

Test

Validierung an fünf realen Störungen, Walkthrough mit dem Team, Übergabe an die Techniker.

ERGEBNIS

Entscheidung

Datenqualitätsbewertung, Umsetzungskonzept, Kostenkorridor, Empfehlung. Trägt auch bei einem Nein.

06 · Was gebaut wurde

Vier Module auf einer Wissensbasis.

MODUL 01

Reader

Liest und extrahiert aus Serviceberichten, Handbüchern, Ersatzteillisten und .msg. Versteht Freitext.

MODUL 02

Klassifizierer

Erkennt Fehlermerkmale anhand der gemeinsam definierten Kriterien: Komponente, Symptom, Medium, Werkstoff, Maschine.

MODUL 03

Dossier-Builder

Aggregiert pro Fehlerbild: Symptom, erste Vermutung, tatsächliche Ursache, Maßnahme, Ersatzteil, Lesson Learned.

MODUL 04

Filter-Index

Macht alle Fälle deterministisch durchsuchbar nach Symptom, Bauteil, Medium und Maschine. Vollständige Trefferlisten.

07 · Die Implementierung

Struktur zuerst. Dann erst die Suche.

Der übliche Weg wäre, alle Unterlagen in einen Vektorindex zu kippen und die KI suchen zu lassen. Das funktioniert für einfache Fragen und versagt genau dann, wenn es darauf ankommt. Deshalb steht am Anfang nicht die Suche, sondern die Definition: Was macht einen Servicefall aus?

Die Wissensbasis, zwei Schichten

Primär: Dossiers mit definierten Kerndaten
Pro Fehlerbild ein strukturierter Datensatz: Maschine, Komponente, Symptom, Medium, Werkstoff, erste Vermutung, tatsächliche Ursache, Maßnahme, verbautes Ersatzteil, Zeit bis zur Lösung und die Lesson Learned. Welche Felder ein Dossier hat, wurde im Prioritäten-Workshop mit dem Service festgelegt.
Backup: Vektorindex über die Rohordner
Das Auffangnetz für alles, was in kein Feld passt. Die Detailfrage, die nur in einem Mail-Thread mit dem Kunden steht, oder eine Randnotiz in einem alten Prüfprotokoll.

Warum diese Reihenfolge entscheidend ist: Eine Abfrage auf den Dossiers ist deterministisch. komponente:Gleitringdichtung & medium:zuckerhaltig liefert jedes Mal alle Treffer, nicht die fünf ähnlichsten. Ein Techniker, der vor der Maschine steht, braucht die vollständige Liste aller vergleichbaren Fälle, nicht die fünf ähnlichsten. Ein reiner Vektorindex kann das nie zusichern.

Der technische Aufbau

Sprachmodell
Azure OpenAI Service im Tenant des Kunden, EU-Region. Die Daten verlassen den Tenant nicht, es wird nicht auf ihnen trainiert.
Orchestrierung
n8n als Workflow-Engine, self-hosted in einem Azure Container. Sie erkennt neue Unterlagen, liest sie ein, füllt das Dossier und schreibt in den Index.
Zugang
Microsoft Teams. Kein neues Login, kein zusätzliches Werkzeug. Der Agent sitzt dort, wo die Techniker ohnehin arbeiten.
Berechtigungen
Entra ID. Freigegeben wird über App-Richtlinien an bestimmte Gruppen. Die Identität wandert in jede Anfrage: Wer ein Laufwerk heute nicht sehen darf, bekommt daraus auch keine Antwort.
Protokollierung
Jede Frage, jede Quelle, jede Antwort. Nachvollziehbar, auch Monate später.

Alles im Microsoft-Stack, den der Kunde ohnehin betreibt. Kein Parallel-System, kein zusätzlicher Anbieter in der Kette. Wer keinen Microsoft-Stack hat, bekommt denselben Aufbau anders verankert: EU-Cloud, semi On-Prem im eigenen Haus oder voll On-Prem. Die Sicherheitsstufe wählt der Kunde, sie bestimmt den Aufwand.

08 · Der interne Champion

Am Ende steht einer im Haus, der es kann.

Das wichtigste Ergebnis der Umsetzung ist kein Agent, sondern ein Mensch. Ein Mitarbeiter wird ausgebildet, bis er das System im Alltag selbst betreut. Er ist die Anlaufstelle im Haus, nicht wir.

Was der Champion übernimmt

Die Betreuung im Alltag
Neue Servicefälle freigeben, Dossierfelder ergänzen, Techniker aufschalten. Die Handgriffe, die sonst jedes Mal eine Anfrage nach außen wären.
Die erste Anlaufstelle
Ein Kollege bekommt keine gute Antwort, ein Fehlerbild fehlt im Index, ein Feld ist falsch belegt. Das klärt der Champion, meist in Minuten.
Kleine Erweiterungen
Die n8n-Workflows sind offen und visuell aufgebaut. Ein neues Dokumentformat oder eine zusätzliche Ablage hängt er selbst an.

Wie er dazu kommt

Er ist von Anfang an dabei
Kein Wissenstransfer am Schluss, sondern Mitarbeit ab dem Prioritäten-Workshop. Er kennt jede Entscheidung, weil er dabei war, als sie getroffen wurde.
Einarbeitung in Tagen, nicht Wochen
n8n ist visuell, die Dossierstruktur hat er mitdefiniert. Wer technisch interessiert ist und das eigene Fachgebiet kennt, braucht keine Entwicklerausbildung.
Dokumentiert, nicht mündlich
Pflegeprozess, Feldlogik und Workflows sind schriftlich übergeben. Fällt der Champion aus, kann ein Nachfolger übernehmen.

Damit verschiebt sich auch unsere Rolle. Der Alltag liegt beim Kunden, wir kommen für das, was darüber hinausgeht: der nächste Prio-Fall, ein Modellwechsel, die Qualitätsprüfung der Antworten, die strukturellen Themen. Nicht dafür, dass jemand ein Dokument nachlädt.

09 · Wie das Ergebnis aussieht

Eine Frage. Ein Fall-Dossier. Mit Quelle.

Der Techniker fragt in Teams, wie er einen Kollegen fragen würde. Der Agent rät nicht, er fragt nach, wenn ein entscheidendes Merkmal fehlt.

komponente:Gleitringdichtung & symptom:Bruch nach Stillstand & medium:zuckerhaltig

Servicefall 04 · Süßwarenindustrie

MaschineExzenterschneckenpumpe
MediumGlukose-Sirup
SymptomDichtungsbruch nach Wochenende
Erste VermutungMaterialermüdung
Tatsächliche UrsacheKristallisation im Stillstand

Maßnahme und Kennzahlen

ErsatzteilGLRD Hartstoff SSiC/SSiC
Zeit bis zur Lösung2 Einsätze (vorher), 1 (jetzt)
Wiederholungen4 vergleichbare Fälle

Lessons Learned

  • Über das Wochenende kristallisiert die Glukose in der stehenden Pumpe aus, beim Anlauf am Montag reißt die Dichtung an den Kristallstellen.
  • Pumpe nach jeder Schicht reinigen, kein Restmedium über das Wochenende stehen lassen.
  • Dichtung auf Hartstoff-Paarung SSiC/SSiC umstellen, Kohle/WC hält in dieser Anwendung nicht.

Diese drei Zeilen sind der eigentliche Wert. Sie verhindern den zweiten Einsatz, und zwar für jeden Techniker im Team, nicht nur für den, der den Fall damals hatte.

10 · Wirkung

Drei Effekte, einer davon zählbar.

Kapazität
780 h / Jahr
Erstlösung von 70 auf 85 %, rund 60 Folgeeinsätze weniger
Stillstand
kürzer
Bekannte Ursache statt erneuter Fehlersuche vor Ort, richtige Variante beim ersten Mal
Wissen
bleibt im Haus
Erfahrung aus 45 dokumentierten Fällen verfügbar, auch ohne den Senior-Techniker
11 · Wie es weitergeht

Auf dem Fundament folgen die nächsten Fälle.

Läuft

Fehlerbild-Wissen

Serviceberichte durchsuchbar, Fall-Dossiers automatisch erzeugt, filterbar nach Symptom, Bauteil und Medium.

Nächster Fall

Ersatzteil und Angebot

Aus dem Fehlerbild direkt die richtige Variante und das Serviceangebot ableiten, statt zweimal zu fahren.

Danach

Muster über die Flotte

Häufungen über 2.000 Maschinen sichtbar machen: welche Baureihe, welches Medium, welche Paarung fällt wo aus.

12 · Use Case als PDF

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