Alles zertifiziert.Und trotzdem stimmt es nicht.

Ein Anlagenbauer liefert eine Wasserstoff-Übergabestation an eine Forschungseinrichtung. Werkstoffzeugnisse lückenlos, ATEX-Zertifikate für jede Komponente, Dichtheitsprüfung protokolliert, ein Explosionsschutzkonzept vom Sachverständigen. Und die Betriebsanleitung gibt eine Auflage dieses Gutachtens nicht weiter — die, an der die Zonenfreiheit hängt.

Randbedingungen dieser Prüfung
  • Ein reales, anonymisiertes Projekt
  • Jeder Punkt mit Zitat und Fundstelle
  • Prüffragen an den Hersteller, keine Rechtsberatung

Der KI-Wissensagent hinter diesem Bericht steht auf Blatt 6 · Konformität. Wo Ihre Daten liegen, entscheiden Sie — drei Ausführungen stehen auf Blatt 1.

Prüfgegenstand

Ein Projektordner, wie er überall aussieht.

Wasserstoff, Fluidgruppe 1, Außenaufstellung, Ex-Bereich. Einzelfertigung für einen Kunden mit eigenem Sicherheitsapparat. Die Dokumentation ist überdurchschnittlich — das ist keine Höflichkeit, sondern der Grund, warum dieser Fall interessant ist.

Pos
Gegenstand
Umfang
Was darin steckt
Zustand
01
Dateien im Ordner
480
Gewachsen über die Projektlaufzeit, mit Alt-Ständen nebeneinander.
vollständig
02
Zukaufkomponenten
26
Je mit eigenen Grenzen, eigenen Zertifikaten und eigenen Bedingungen.
zertifiziert
03
Betroffene Richtlinien
3 und mehr
Druckgeräterichtlinie, ATEX, gegebenenfalls Maschinenverordnung.
1 betrachtet
04
Einzelunterlagen
alle geprüft
Jedes Dokument vorhanden, unterschrieben und fachlich sauber.
in Ordnung
Eine Vollständigkeitsprüfung hätte hier fast nichts gefunden. Was der Agent stattdessen macht, steht auf Blatt 6 →
Der Befund

Zwei Dokumente, derselbe Freigabetag.

7 offene Punkte an einem Tag Durchsicht — in einem Ordner, in dem jede Einzelunterlage in Ordnung ist. Der erste davon ist der, der zählt.

Das Ex-Schutzkonzept erklärt die Anlage für zonenfrei, knüpft das aber an zwei ausdrückliche Bedingungen. Die Betriebsanleitung, die der Betreiber in die Hand bekommt, gibt beide nicht in dieser Form weiter. Beide Dokumente wurden am selben Tag freigegeben — und das Gutachten verweist auf einen Entwurf von drei Tagen zuvor.

VIER TAGE VOR DER AUSLIEFERUNG Tag −3 Freigabetag ENTWURF Betriebsanleitung, Stand Tag −3 EX-SCHUTZKONZEPT · SACHVERSTÄNDIGER Zonenfrei — unter zwei Bedingungen: He-Leckagetest regelmäßig · Klemmringe nach Öffnung tauschen das Gutachten verweist auf den Entwurf von Tag −3 BETRIEBSANLEITUNG · AN DEN BETREIBER He-Lecktest „kann“, sofern praktikabel Klemmringaustausch: im Wartungskapitel nicht erwähnt Diese Weitergabe hat nie stattgefunden. Beide Dokumente sind sorgfältig. Beide wurden am selben Tag freigegeben. Niemand hatte den Auftrag, das eine gegen das andere zu lesen. TAG −3 ENTWURF Betriebsanleitung FREIGABETAG EX-SCHUTZKONZEPT Zonenfrei — unter zwei Bedingungen: He-Leckagetest · Klemmringtausch verweist auf Tag −3 Weitergabe fehlt BETRIEBSANLEITUNG He-Lecktest „kann“, sofern praktikabel Klemmringtausch: nicht erwähnt Beide Dokumente sind sorgfältig. Beide am selben Tag freigegeben. Niemand hatte den Auftrag, das eine gegen das andere zu lesen.
Vier Tage, drei Dokumente, eine Verbindung, die fehlt Der Befund · Prüfbericht 05
Die vierte Lücke. Alle Zertifikate liegen vor, jede Einzelunterlage ist in Ordnung. Der Widerspruch entsteht erst zwischen ihnen: die Auflage, an der die Zonenfreiheit hängt, erreicht den Betreiber nicht. Die Betriebsanleitung ist aus einer Vorlage entstanden, und die Vorlage wusste nichts vom Gutachten. Beim Kopieren fragt niemand nach. Der Agent fragt.
Prüfverfahren

Prüfen findet den Widerspruch. Erstellen lässt ihn nicht entstehen.

Dieser Bericht ist eine Diagnose: sieben Punkte, nachträglich gefunden. Nachträglich zu prüfen ist besser als gar nicht — aber es ist nicht der Punkt.

Nachträglich prüfen

Findet den Fehler, nachdem er entstanden ist

  • Die Anleitung ist geschrieben, freigegeben, unterschrieben
  • Erst danach fällt auf, dass eine Auflage fehlt
  • Jemand muss zurück, korrigieren, neu freigeben
  • Und erklären, warum
Beim Erstellen

Der Fehler entsteht nicht

  • Der Agent leitet den Entwurf aus Vorlage und Unterlagen her
  • Das Gutachten ist eine seiner Quellen
  • Die Auflage steht im richtigen Kapitel, bevor jemand liest
  • Was er nicht belegen kann, meldet er
Wer eine Betriebsanleitung schreiben will, muss das Gutachten lesen — sonst weiß er nicht, was hineingehört. Der Abgleich fällt beim Erstellen ohnehin an. Er kostet keine zusätzliche Runde, er ist die Runde.
Prüfergebnis

Sieben Punkte, jeder mit Zitat und Fundstelle.

Alle formuliert als Frage — zu jeder kann es eine Erklärung geben, die im Ordner nicht auftaucht. Ein gemeldeter fehlender Beleg ist wertvoller als eine glatt aussehende Dokumentation.

Woher die Angaben stammen Eine Quelle anklicken
Wo es liegt
Was daraus wird
Befund 01 bis 07
Jede Unterlage für sich in Ordnung
01 · Die Auflage erreicht den Betreiber nicht
Gefordert: He-Leckagetest und Klemmringaustausch, zwingend
Zugesagt: Test als „kann“, Austausch gar nicht
02 · Gutachten auf überholtem Stand
Zugrunde gelegt: Revision C des R&I
Im Ordner liegt: Revision D
03 · Die Ex-Zone erreicht den Betreiber nicht
Gefordert: Zone 2 von 8,6 Metern um die Ausblasöffnung
Erwähnt: nur die Zonenfreiheit am Panel
04 und 07 · Was nirgends steht
Zwei Schutz-Abschaltungen, Verdrahtung beim Betreiber — kein PL- oder SIL-Nachweis
Die Maschinenverordnung kommt im ganzen Projekt nicht vor
Jeder Befund ist ein Widerspruch zwischen zwei Quellen.
So findet der Agent den Widerspruch
Input · Frage
„Passen die Unterlagen dieses Projekts zusammen — und wenn nein, wo nicht?“
Projektleitung
→
Agent · sucht
Übersetzt die Frage in die Felder aus dem Kriterien-Workshop:
RevisionsstandAuflageZusage
Und sieht in der Dossier Library nach:
480 Dateien im Ordner
26 Zukaufkomponenten
3 betroffene Richtlinien
7 Widersprüche ✓
ein Dossier je Projekt
→
Output · Fund
7 Befunde
Jede Einzelunterlage ist in Ordnung.
Der Widerspruch entsteht erst zwischen ihnen.
Dossier · Prüfbefund
Ein Projektordner, wie er überall aussieht
jede Zeile mit Fundstelle
Regeln — was gefordert ist
Ex-Schutz He-Leckagetest und Klemmringaustausch als zwingend gefordert Ex-Schutzkonzept Zone Zone 2 von 8,6 Metern um die Ausblasöffnung Gutachten
Risiken — was davon nicht ankommt
Betriebsanleitung nennt den Test als „kann“, den Austausch gar nicht Befund 01 Zonenangabe erwähnt nur die Zonenfreiheit am Panel Befund 03 Planstand Gutachten liegt Revision C zugrunde, im Ordner liegt D Befund 02
Offene Fragen — was nicht belegt ist
Zuverlässigkeit zwei Schutz-Abschaltungen ohne PL- oder SIL-Nachweis Befund 04 Maschinenrecht die Maschinenverordnung kommt im ganzen Projekt nicht vor Befund 07
Freigabestand
Stand sieben Fassungen des R&I nebeneinander, teils ohne Revisionsangabe 480 Dateien
Technische Unterlagen Betriebsanleitung Gutachten Regelwerk
KONFORMITÄTS-AGENT
Wasserstoff · Fluidgruppe 1 · Außenaufstellung im Ex-Bereich
480 Dateien · 26 Zukaufteile
PROJEKTLEITUNG
Lies bitte alle Zulieferdokumentationen durch und halte fest, was für die ATEX-Einhaltung relevant ist und welche maximalen Betriebsparameter gelten.
AGENT
26 Zukaufteile, 26 Herstellererklärungen. Die medienberührten und zündfähigen Positionen zusammengezogen:
PositionATEX-KennzeichnungDruckTemperatur
AbsperrarmaturenLieferant C · 4 Stück II 2G Ex h IIC T4 GbPN 40−20 … 150 °C
DruckreglerLieferant B II 2G Ex h IIC T4 Gb40 / 0–35 bar−10 … 120 °C
ManometerLieferant D · 4 Stück II 2G Ex h IIC T6 Gb XPN 40−20 … 60 °C
FiltereinheitLieferant B II 2G Ex h IIC T4 GbPN 40−20 … 120 °C
Daraus die Systemgrenzen — jeweils der engste Wert über alle Positionen: 35 bar, −10 bis 60 °C, Temperaturklasse T4.
Die vier Manometer tragen ein X. Das bedeutet: besondere Bedingungen für sichere Verwendung. Welche das sind, steht in keinem Dokument im Ordner. Befund 05
Dieselben Manometer begrenzen die Anlage auf 60 °C. Ausgelegt ist sie auf 120 °C. Entweder ist die Einbaustelle kälter — dann gehört das dokumentiert — oder die Position passt nicht.
Quellen: 26 Herstellererklärungen · Ex-Schutzkonzept · R&I Rev. D
PROJEKTLEITUNG
Der Ordner ist doch vollständig. Jedes Dokument liegt vor und ist unterschrieben.
AGENT
Vollständig stimmt: Jede Einzelunterlage ist vorhanden, unterschrieben und fachlich sauber. Eine reine Vollständigkeitsprüfung hätte hier nichts gefunden. Der Widerspruch entsteht erst zwischen den Unterlagen — insgesamt sieben Mal.
Der folgenreichste: Das Ex-Schutzkonzept fordert He-Leckagetest und Klemmringaustausch als zwingend. Die Betriebsanleitung nennt den Test als „kann" und den Austausch gar nicht. Beim Betreiber kommt die Auflage damit nicht an. Befund 01
Fünf weitere: Revisionsstände · Ex-Zone · PL/SIL-Nachweis · drei Auslegungsdrücke
PROJEKTLEITUNG
Was genau ist die besondere Bedingung beim Manometer? Und schick mir bitte die Seitenzahlen, aus denen die Werte stammen — ich will gegenprüfen.
AGENT
Die Bedingung kann ich Ihnen nicht nennen — sie steht nirgends. Das X hinter der Kennzeichnung verweist auf einen Abschnitt „Besondere Bedingungen für sichere Verwendung", der nach EN IEC 60079-0 in der Herstellerdokumentation stehen muss. Im Ordner liegt von Lieferant D nur die EU-Konformitätserklärung, nicht die zugehörige Betriebsanleitung.
Die Fundstellen für die Werte:
WertDokumentFundstelle
AbsperrarmaturenII 2G Ex h IIC T4 Gb Konformitätserklärung Lieferant CS. 1, Kennzeichnungszeile
PN 40 · −20…150 °CArmaturen Datenblatt DN 25, Ausgabe 04/2022S. 3, Tabelle 2
Druckregler40 / 0–35 bar · −10…120 °C Betriebsanleitung Lieferant BS. 7, Abschnitt 4.1
ManometerII 2G Ex h IIC T6 Gb X EU-Konformitätserklärung Lieferant DS. 1, Zeile 6
Besondere Bedingungwofür das X steht Betriebsanleitung Lieferant Dliegt nicht vor
Manometer −20…60 °CTemperaturgrenze Datenblatt Lieferant DS. 4, Tabelle 1
FiltereinheitPN 40 · −20…120 °C Herstellererklärung Lieferant BS. 2, Anhang A
NÄCHSTER SCHRITT
Fordern Sie die Betriebsanleitung des Manometers bei Lieferant D an. Bis sie vorliegt, ist die ATEX-Einhaltung für diese vier Positionen nicht nachweisbar — unabhängig davon, dass die Konformitätserklärung selbst korrekt ist.
Soll ich die E-Mail fertig machen?
Hier bricht die Darstellung ab — im Prüfbericht steht weiter
  • Wörtliches Zitat zu jedem Punkt, mit Dokument, Kapitel und Seite
  • Revisionsstände aller sieben R&I-Fassungen und wer worauf verweist
  • Grenzen der 26 Zukaufteile, gehalten gegen das Typenschild der Anlage
  • Zonenplan mit den 8,6 Metern und was davon beim Betreiber ankam
  • Abgleichmatrix Gutachten gegen Anleitung, Zeile für Zeile
  • Dokumentenindex mit Freigabedatum und Unterzeichner
  • Prüffragen zur MVO-Abgrenzung der vier Ventile
  • Zurückgezogener Befund samt Begründung, warum er nicht trug

Ein Befund musste zurückgezogen werden — er beruhte auf Dateinamen statt auf dem gelesenen Plan. Genau deshalb legt der Agent zu jedem Punkt die Quelle offen. Was nicht belegt ist, wird als nicht belegt gekennzeichnet.

Sieben Prüffragen aus einem Tag Durchsicht Prüfergebnis · Prüfbericht 05
Bewertung

Was der Agent darf. Und was er nie darf.

In der Maschinensicherheit ist diese Grenze keine Formalität, sondern Haftung. Eine Checkliste fragt, ob das Dokument da ist. Die Frage ist, ob es zum nächsten passt.

Diesseits der Linie

Das macht der Agent

  • erschließt den Ordner, ohne dass jemand etwas aufbereiten muss
  • leitet den Entwurf aus Vorlage und Unterlagen her
  • übernimmt jede Auflage in das Kapitel, in das sie gehört
  • meldet, wenn ein Nachweis auf einem überholten Stand steht
  • belegt jeden Punkt und markiert, was unbelegt bleibt
Jenseits der Linie

Das bleibt beim Ingenieur

  • die fachliche Beurteilung
  • die Entscheidung über eine wesentliche Veränderung
  • die Konformitätserklärung
  • die Unterschrift
Der Agent füllt das Blatt. Die Unterschrift bleibt beim Ingenieur. Der geschilderte Fall stammt aus einem realen Projekt und ist anonymisiert wiedergegeben. Die Befunde sind Prüffragen an den Hersteller, keine Feststellung von Rechtsverstößen und keine Rechtsberatung.
Vollständiger Bericht

Alle sieben Punkte als PDF.

Mit Zitat und Fundstelle je Punkt, den vier Lücken im Überblick und der Linie zwischen Agent und Ingenieur. Sie bekommen das PDF direkt nach dem Absenden, dazu eine kurze E-Mail von mir.

Weitere Prüfberichte

Vier weitere Prozessketten, gleiche Methode.

Alle fünf im Überblick →

Nächster Schritt

An Ihrem Ordner, nicht an unserem Beispiel.

Wir nehmen ein abgeschlossenes Projekt von Ihnen — Sie geben den Ordner frei, so wie er ist, ohne Aufbereitung. Genau der Aufwand, den Sie sonst hätten, entfällt. Finden wir nichts, endet es dort, und Sie haben Gewissheit.

30-Minuten-Gespräch vereinbaren →

Oder erst der Lücken-Check, drei Minuten →

Prüfbericht 05 von 5