Suchanteil in der Konstruktion messenDie Zahl, die in keinemStundenzettel steht.
Wüssten Sie aus dem Stand, wie hoch der Suchanteil in Ihrer Konstruktion ist? Die Stunden fehlen nicht — sie sind vollständig verbucht. Nur wird nirgends unterschieden, ob eine Stunde konstruiert, gesucht, abgestimmt oder nachgearbeitet wurde. Dieses Blatt beschreibt, wie man diesen Schnitt einmal macht.
- Die Zeiterfassung schneidet nach Projekt, nicht nach Tätigkeit
- Zwei Verfahren, die sich gegenseitig prüfen: Aufschreibung und Gegenprobe
- Die Randbedingungen gehören vor die Zahl, nicht dahinter
- Es gibt keinen Normalwert. Nur den eigenen Vorher-Wert
Insight 09 von 13, Reihe D, Wissen im Engineering. Ein durchgeführtes Beispiel mit Zahlen steht in Prüfbericht 01, hier steht das Verfahren.
Dieselben Stunden, zwei verschiedene Schnitte.
Eine Zeiterfassung beantwortet die Frage, die sie beantworten soll: Auf welches Projekt geht diese Stunde? Das ist die Frage der Abrechnung, und sie ist richtig gestellt. Nur ergibt sich aus der Antwort nichts über die Art der Arbeit.
Deshalb ist der Suchanteil nicht unsichtbar, sondern ungeschnitten. Er steckt in jeder Projektstunde mit drin, verteilt und nicht getrennt. Wer ihn beziffern will, muss dieselben Stunden ein zweites Mal schneiden — nach Tätigkeit statt nach Projekt.
Das ist der ganze methodische Kern. Der Rest sind Sorgfaltsfragen: welche Kategorien, wie lange, unter welchen Bedingungen und mit welcher Gegenprobe.
Die Stunden fehlen nicht. Sie sind nur nie so geschnitten worden.
Beide Balken sind gleich hoch, weil beide dieselbe Jahresarbeitszeit zeigen. Links der Schnitt, den jedes Haus hat. Rechts der, den fast keines macht.
Der zweite Schnitt ist kein Kontrollinstrument und darf auch nicht als solches eingeführt werden. Wer ihn als Leistungsmessung ankündigt, bekommt Zahlen, die nichts wert sind — und zwar zu Recht.
Zwei Wege, die sich gegenseitig prüfen.
Einzeln ist jedes der beiden angreifbar. Zusammen sind sie belastbar, weil sie unterschiedliche Fehler machen. Weichen sie stark voneinander ab, stimmt die Kategorienbildung nicht — und das ist ein nützliches Ergebnis für sich.
Die Bedingungen gehören vor die Zahl.
Ein Suchanteil ohne seine Randbedingungen ist keine Kennzahl, sondern eine Behauptung. Was ihn maßgeblich beeinflusst, lässt sich in vier Punkten benennen — und jeder davon gehört neben den Wert geschrieben.
Vier Bedingungen
- Alter und Struktur der Ablage. Eine über Jahre gewachsene Ablage erzeugt einen höheren Anteil als eine, die von Anfang an strukturiert war
- Zahl und Vielfalt der Projekte. Mehr Historie heißt mehr Fundstellen und mehr Aufwand, die richtige zu finden
- Verteilung des Wissens. Hängt viel an einzelnen Personen, wird Suchen zu Warten, siehe Insight 10
- Zeitpunkt der Messung. Kurz vor einem Liefertermin, in der Urlaubszeit oder während einer Einarbeitung entsteht kein Normalbild
Vier Fehler
- Die Messung als Leistungskontrolle ankündigen
- Nur eine Woche messen und daraus einen Jahreswert hochrechnen
- Den eigenen Wert mit dem eines anderen Hauses vergleichen
- Nach der Maßnahme mit anderen Kriterien messen als davor
Was aus der Praxis regelmäßig gefragt wird.
Warum zeigt die Zeiterfassung den Suchanteil nicht?
Weil sie nach Projekt schneidet und nicht nach Tätigkeit. Die Stunden fehlen nicht, sie sind vollständig verbucht. Nur wird nirgends unterschieden, ob eine Stunde konstruiert, gesucht, abgestimmt oder nachgearbeitet wurde. Der Suchanteil ist deshalb nicht unsichtbar, sondern ungeschnitten.
Wie misst man den Suchanteil in der Konstruktion?
Mit zwei Verfahren, die sich gegenseitig prüfen. Erstens die Selbstaufschreibung: über zwei bis vier Wochen notiert jeder Beteiligte seine Stunden zusätzlich nach Tätigkeit, in vier bis fünf groben Kategorien. Zweitens die Gegenprobe im Gespräch: eine einzige Frage nach der geschätzten Suchzeit pro Tag. Weichen beide stark voneinander ab, stimmt die Kategorienbildung nicht.
Wie lange muss man messen, damit die Zahl trägt?
Zwei bis vier Wochen reichen für eine Größenordnung, wenn der Zeitraum keine Ausnahme ist. Zu vermeiden sind Messwochen unmittelbar vor einem Liefertermin, in der Urlaubszeit und in der Einarbeitung neuer Kollegen. Für eine belastbare Größenordnung ist die Auswahl des Zeitraums wichtiger als seine Länge.
Ist ein Suchanteil von 35 Prozent ein normaler Wert?
Nein, es gibt keinen normalen Wert. Der Anteil hängt an Alter und Struktur der Ablage, an der Zahl der Projekte und daran, wie viel Wissen an einzelnen Personen hängt. Ein Haus mit sauber strukturierter Ablage findet deutlich schneller. Deshalb sagt der Vergleich mit anderen nichts, und der Vergleich mit dem eigenen Vorher-Wert alles.
Was macht man mit der gewonnenen Zeit?
Ein Teil geht in Projekte, die vorher nicht in den Kalender passten. Der andere Teil geht in Produktstruktur, Varianten und Abläufe, also in die Themen, für die nie Kapazität da war. Dort beginnt der eigentliche Effekt: Jede aufgeräumte Struktur senkt den Suchanteil weiter, und die gewonnene Zeit finanziert die nächste Verbesserung. Was dabei an Kosten hängt, steht auf Insight 08.
Woher die Zahlen stammen.
- [1] Prüfbericht 01 · Anlagenbau, auf dieser Seite. Suchanteil 35 % (5.600 von 16.000 Stunden im Jahr), nach dem ersten KI-Wissensagenten 20 %, freigesetzte Kapazität rund 2.400 Stunden. Rahmen: 10 Konstrukteure, rund 100 Projekte, sechs Jahre Historie, gewachsene Ablage. Gegenprobe im Team: etwa 1 Stunde pro Kopf und Tag.
- [2] Eigene Praxis aus Engineering-Verantwortung im Maschinen- und Pumpenbau. Das Verfahren in Abschnitt 03 und die Randbedingungen in Abschnitt 04 sind Erfahrungswissen, keine Norm. Es gibt kein standardisiertes Verfahren zur Messung des Suchanteils, und dieses Blatt behauptet auch keines.
- [3] Zum Zusammenhang mit dem Abstimmungsaufwand: Insight 07. Dort mit einer Quelle aus der Forschung: Heimberger, TU München 2017.
Kennen Sie Ihren Vorher-Wert?
Ohne ihn ist jede spätere Verbesserung eine Behauptung. Die Messung selbst kostet zwei Minuten pro Kopf und Tag. 30 Minuten, keine Präsentation: Wir gehen die Kriterien durch, bevor gemessen wird.
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