Ablauf 6 Phasen · 26 Schritte · ISO 12100 und ISO 13849-1

Risikobeurteilung nach ISO 12100Der Weg ist für alle gleich.Die erste Frage nicht.

Wer eine Maschine konform machen muss, läuft denselben Ablauf: 26 Schritte über sechs Phasen, von der Abgrenzung bis zur Konformitätserklärung. Verschieden ist nur, was am Anfang zu klären ist — und daran entscheidet sich, ob der Rest überhaupt für Sie gilt.

Erste Welt

Wir entwickeln und bauen eine Maschine.

Ist es eine vollständige Maschine oder eine unvollständige? Davon hängt ab, ob am Ende eine Konformitätserklärung steht oder eine Einbauerklärung — und ob überhaupt ein CE-Zeichen an die Maschine kommt.

Zweite Welt

Wir ändern eine Maschine, die schon läuft.

Ist der Eingriff eine wesentliche Veränderung? Wenn ja, sind Sie für diese Maschine Hersteller — auch dann, wenn Sie sie nie gebaut haben. Umbau, Retrofit, kundenspezifische Anpassung, Service.

Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und sie enden bei verschiedenen Unterlagen. Ist die erste Frage beantwortet, läuft für beide derselbe Weg. Zu jedem Schritt steht der Norm-Abschnitt, unter dem er fällt, damit Sie im Original nachschlagen können.

DER WEG — UND DIE EINZIGE STELLE, AN DER ER ZURÜCKSPRINGT PHASE 1 Abgrenzung und Rolle PHASE 2 Rechtsrahmen und Normen PHASE 3 Risiko beurteilen PHASE 4 Risiko mindern PHASE 5 PL-Nachweis je Funktion PHASE 6 Dokumentation und Erklärung nach jeder Maßnahme vollständig neu beurteilen Am Ende steht kein Dokument, das geschrieben wird — sondern eines, das aus den fünf Phasen davor herausfällt: die EU-Konformitätserklärung. DER WEG, VON OBEN NACH UNTEN PHASE 1 Abgrenzung und Rolle PHASE 2 Rechtsrahmen und Normen PHASE 3 Risiko beurteilen PHASE 4 Risiko mindern PHASE 5 PL-Nachweis je Funktion PHASE 6 Dokumentation und Erklärung Nach jeder Maßnahme geht es zurück in die Beurteilung. Am Ende fällt die Erklärung heraus.
Sechs Phasen, ein Rücksprung. Die Kette läuft von links nach rechts; der einzige Weg zurück führt von der Maßnahme wieder in die Beurteilung. Wer linear durchläuft, überspringt genau diese Schleife.
Phase 1 · Vorbereitung & Abgrenzung

Erst klären, was es ist. Dann, wer dafür geradesteht.

Bevor Gefährdungen gesucht werden: Rolle klären und die Maschine sauber abgrenzen. Hier werden die meisten späteren Lücken vermieden. Beides hängt nicht an der Konstruktion, sondern am Lieferumfang und an der bestimmungsgemäßen Verwendung — einschließlich der Fehlanwendung, die vernünftigerweise vorhersehbar ist. Wird die Grenze zu eng gezogen, fehlen später Gefährdungen nicht aus Nachlässigkeit, sondern per Definition.

NEUBAU · ENTWICKLUNG, PRODUKT- UND ANLAGENBAU Entsteht eine vollständige oder eine unvollständige Maschine? Vollständige Maschine CE-Kennzeichnung EU-Konformitätserklärung Betriebsanleitung CE kommt an das Produkt Unvollständige Maschine Einbauerklärung Montageanleitung Angaben zur sicheren Montage CE kommt nicht an das Produkt NEUBAU · ENTWICKLUNG UND ANLAGENBAU Entsteht eine vollständige oder eine unvollständige Maschine? Vollständige Maschine CE-Kennzeichnung EU-Konformitätserklärung Betriebsanleitung CE kommt an das Produkt Unvollständige Maschine Einbauerklärung Montageanleitung Angaben zur Montage CE kommt nicht an das Produkt
Der Unterschied steht unten: Die vollständige Maschine trägt das CE-Zeichen, die unvollständige nicht. Wer sie einbaut, wird Hersteller der fertigen Maschine.
ÄNDERUNG AM BESTAND · UMBAU, RETROFIT, SERVICE Ist der Eingriff eine wesentliche Veränderung? Sie werden Hersteller Risikobeurteilung der veränderten Maschine Neue Konformitätserklärung Angepasste Betriebsanleitung CE wird neu angebracht Sie bleiben Instandhalter Keine neue Konformitätsbewertung Keine neue Erklärung Vorhandene Unterlagen bleiben gültig CE bleibt unverändert ÄNDERUNG AM BESTAND · UMBAU, SERVICE Ist der Eingriff eine wesentliche Veränderung? Sie werden Hersteller Risikobeurteilung der Änderung Neue Konformitätserklärung Angepasste Betriebsanleitung CE wird neu angebracht Sie bleiben Instandhalter Keine neue Bewertung Keine neue Erklärung Unterlagen bleiben gültig CE bleibt unverändert
Dieselbe Frage in der anderen Welt: nicht die Produktart entscheidet, sondern der Eingriff. Der Test dazu steht auf Insight 04.

Die zwei Schritte, mit denen jede Beurteilung anfängt — und die beide schriftlich festzuhalten sind:

Pos
Schritt
Norm
Was danach vorliegt
Beispiel Pumpenaggregat
01
Rolle & Pflichten bestimmen
MaschinenVO (EU) 2023/1230
Fest steht, wer die Herstellerpflichten trägt — und ob das Sie sind.
Sie liefern das komplette Aggregat auf Grundrahmen — Motor, Kupplung, Pumpe, Verrohrung, Schaltschrank. Damit sind Sie Hersteller einer Maschine.
02
Grenzen der Maschine festlegen
ISO 12100 · 5.3
Bestimmungsgemäße Verwendung, vorhersehbare Fehlanwendung, räumliche und zeitliche Grenzen — schriftlich.
Bestimmungsgemäß: Wasser bis 90 °C, 16 bar. Vorhersehbar fehlangewendet: Trockenlauf. Zeitliche Grenze: Gleitring- und Lagerwechsel im Intervall.
Phase 2 · Rechtsrahmen & Normen

Selten gilt nur eine Vorschrift. Und selten nur eine Norm.

Der Schritt, den Tools per Frage-Antwort automatisieren: welche Vorschriften gelten und welche Normen die Vermutungswirkung liefern. Eine Maschine erfüllt dabei selten nur eine Vorschrift — neben der Maschinenverordnung häufig EMV und Niederspannung, bei Druckbehältern die Druckgeräterichtlinie, in Ex-Bereichen ATEX.

DREI NORMTYPEN — BREITE IST REICHWEITE Typ C gilt nur für Ihre Maschinengattung EN 809 Pumpen · EN 1012 Kompressoren · EN ISO 12499 Ventilatoren Typ B gilt für einen Aspekt oder eine Schutzeinrichtung ISO 13849-1 Steuerungen · ISO 14119 Verriegelungen · ISO 13855 Abstände Typ A gilt für alle Maschinen ISO 12100 — Risikobeurteilung und Risikominderung Wer eine harmonisierte Norm anwendet, für den wird die Einhaltung der davon abgedeckten Anforderungen vermutet — nicht mehr und nicht weniger. Die Rangfolge ist umgekehrt: Im Konflikt geht die C-Norm vor. Wer A und B anwendet, obwohl für seine Gattung eine C-Norm besteht, wendet die falsche an. DREI NORMTYPEN — BREITE IST REICHWEITE Typ C nur für Ihre Gattung EN 809 · EN 1012 · EN ISO 12499 Typ B für einen Aspekt ISO 13849-1 · 14119 · 13855 Typ A für alle Maschinen ISO 12100 Wer eine harmonisierte Norm anwendet, für den wird die Einhaltung der davon abgedeckten Anforderungen vermutet. Nicht mehr und nicht weniger. Die Rangfolge ist umgekehrt: Im Konflikt geht die C-Norm vor.
A gilt für alle, B für einen Aspekt, C für Ihre Gattung. Die Breite der Balken ist die Reichweite; die Rangfolge im Konflikt ist umgekehrt.

Zwei Schritte, die festlegen, wonach überhaupt geprüft wird:

Pos
Schritt
Norm
Was danach vorliegt
Beispiel Pumpenaggregat
01
Zutreffende Rechtsvorschriften bestimmen
MaschinenVO + ggf. EMV, NSR, PED, ATEX
Eine Liste der Vorschriften, die gleichzeitig gelten. Selten ist es nur eine.
Maschinenverordnung für das Aggregat, EMV und Niederspannung für den Umrichter im Schaltschrank. Bei brennbarem Medium zusätzlich ATEX.
02
Anwendbare Normen ermitteln (Typ A/B/C)
ISO 12100 (Typ A)
Die anzuwendenden Normen nach Typ — und die Antwort, ob für Ihre Gattung eine C-Norm existiert.
EN 809 ist die C-Norm für Pumpen und Pumpenaggregate. Wo sie etwas anderes sagt als ISO 12100, geht sie vor.
Phase 3 · Risikobeurteilung

Der Ablauf ist festgelegt. Das Bewertungsverfahren nicht.

Der iterative Kern der ISO 12100: identifizieren, einschätzen, bewerten — und zwar über alle Lebensphasen, von Transport über Einrichten und Wartung bis zur Störungsbeseitigung. Die Norm definiert die Struktur des Risikos, nicht seine Quantifizierung. Welches Bewertungswerkzeug infrage kommt und welche Schlagseite jedes mitbringt, steht auf Insight 12.

DIE BEURTEILUNG GILT FÜR ALLE NEUN 01 Transport 02 Montage 03 Inbetrieb­nahme 04 Betrieb 05 Einrichten 06 Reinigung 07 Wartung 08 Störung 09 Entsorgung Betrieb ist eine von neun Phasen — und die einzige, in der die Maschine bestimmungsgemäß läuft. In allen anderen greift jemand ein: zum Einrichten, zum Reinigen, zur Wartung, bei einer Störung. Auch dafür muss die Beurteilung gelten. NEUN LEBENSPHASEN 01 Transport 02 Montage 03 Inbetrieb- 04 Betrieb 05 Einrichten 06 Reinigung 07 Wartung 08 Störung 09 Entsorgung Betrieb ist eine von neun. In allen anderen greift jemand ein: einrichten, reinigen, warten, entstören. Auch dafür muss die Beurteilung gelten.
Neun Lebensphasen. Die Beurteilung gilt für alle, nicht nur für die vierte.
DIE STRUKTUR DES RISIKOS — MEHR LEGT DIE NORM NICHT FEST Risiko = Schadensausmaß wie schwer wäre es × Eintrittswahrscheinlichkeit und die zerfällt in drei Exposition wie oft und wie lange Eintritt des Ereignisses wie wahrscheinlich Vermeidbarkeit kann man noch ausweichen Exposition und Vermeidbarkeit sind zwei Größen, nicht eine. „Oft dran“ heißt nicht „kann nicht ausweichen“. DIE STRUKTUR DES RISIKOS Risiko = Schadensausmaß wie schwer wäre es × Eintrittswahrscheinlichkeit zerfällt in drei Exposition wie oft und wie lange Eintritt des Ereignisses wie wahrscheinlich Vermeidbarkeit kann man noch ausweichen Exposition und Vermeidbarkeit sind zwei Größen, nicht eine. „Oft dran“ heißt nicht „kann nicht ausweichen“.
Das ist alles, was die Norm zur Bewertung festlegt: die Struktur, nicht die Zahlen. Welches Werkzeug man darauf setzt und welche Schlagseite es mitbringt, steht auf Insight 12.

Drei Schritte. Der erste läuft einmal über die ganze Maschine und liefert die Liste; die beiden anderen laufen dann für jede gefundene Gefährdung einzeln:

Pos
Schritt
Norm
Was danach vorliegt
Beispiel Pumpenaggregat
01
Gefährdungen identifizieren
ISO 12100 · 5.4
Eine Aufstellung der Gefährdungen über alle Lebensphasen und alle Gefährdungsarten.
Rotierende Kupplung, heiße Oberfläche am Gehäuse, austretendes Medium unter Druck, Lärm, Schaltschrank unter Spannung.
02
Risiko einschätzen
ISO 12100 · 5.5
Je Gefährdung eine begründete Einschätzung aus Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit.
Kupplung: schwere Verletzung möglich, regelmäßiger Wartungszugang, schnell anlaufende Bewegung kaum ausweichbar.
03
Risiko bewerten
ISO 12100 · 5.6
Je Gefährdung die Entscheidung: hinreichend gemindert oder noch nicht.
Nach der ersten Runde bleibt das Restrisiko an der Kupplung zu hoch. Eine technische Schutzmaßnahme wird nötig.
Phase 4 · Risikominderung (3-Stufen-Methode)

Erst konstruieren, dann schützen, zuletzt warnen.

Die Reihenfolge ist verbindlich, nicht wählbar. Eine spätere Stufe ersetzt nie eine frühere — was konstruktiv beseitigt werden kann, darf nicht stattdessen in die Betriebsanleitung wandern. Und nach jeder Maßnahme wird vollständig neu beurteilt, weil jede Maßnahme selbst neue Gefährdungen erzeugen kann.

VERBINDLICHE REIHENFOLGE — KEINE AUSWAHL STUFE 1 Inhärent sichere Konstruktion Gefährdung an der Quelle beseitigen ISO 12100 · 6.2 STUFE 2 Technische Schutzmaßnahmen Schutzeinrichtung nach Zugangsbedarf ISO 12100 · 6.3 STUFE 3 Benutzerinformation Restrisiko mitteilen, nicht beseitigen ISO 12100 · 6.4 Stufe 3 ersetzt nie Stufe 1 oder 2. VERBINDLICHE REIHENFOLGE STUFE 1 Inhärent sichere Konstruktion 6.2 STUFE 2 Technische Schutzmaßnahmen 6.3 STUFE 3 Benutzer- information 6.4 Stufe 3 ersetzt nie Stufe 1 oder 2.
Die Treppe fällt ab: Je weiter hinten die Stufe, desto schwächer ihre Wirkung.

Drei Stufen — und eine vierte Zeile, die keine Stufe ist, sondern die Runde davor noch einmal beginnt:

Pos
Schritt
Norm
Was danach vorliegt
Beispiel Pumpenaggregat
01
Stufe 1 — inhärent sichere Konstruktion
ISO 12100 · 6.2
Die Gefährdungen, die konstruktiv beseitigt wurden — und deshalb keine Schutzeinrichtung mehr brauchen.
Den Flansch so konstruieren, dass die Kupplung im Betrieb nicht berührt werden kann.
02
Stufe 2 — technische Schutzmaßnahmen
ISO 12100 · 6.3
Die gewählten Schutzeinrichtungen — und damit die Sicherheitsfunktionen, die in Phase 5 nachzuweisen sind.
Für die Wartung muss der Flansch geöffnet werden — also eine verriegelte Abdeckung statt einer verschraubten.
03
Stufe 3 — Benutzerinformation
ISO 12100 · 6.4
Warnhinweise, Kennzeichnungen und die Restrisiken, die in die Betriebsanleitung gehören.
Warnschilder „heiße Oberfläche“ und „Quetschgefahr“; in der Anleitung der Hinweis, vor der Demontage den Restdruck zu entlasten.
04
Iterieren — erneut beurteilen
ISO 12100 · 5.6 / 6.1
Eine erneute Beurteilung, die auch die durch die Maßnahmen entstandenen Gefährdungen erfasst.
Die verriegelte Abdeckung lässt sich öffnen, solange die Kupplung nachläuft — der Nachlauf ist neu zu beurteilen.
Phase 5 · PL-Nachweis je Steuerungs-Sicherheitsfunktion

Diese Phase entsteht erst durch eine Entscheidung aus Phase 4.

Wer eine bewegliche verriegelte Schutzeinrichtung wählt, erzeugt damit eine Sicherheitsfunktion in der Steuerung — eine feststehende trennende erzeugt keine. Für jede solche Funktion ist zu bestimmen, wie zuverlässig sie sein muss und ob sie es ist. Die Rechenkette dazu steht auf Insight 11, was danach noch nachzuweisen ist, auf Insight 13.

ELF SCHRITTE, ZWEI ZAHLEN, EIN ABGLEICH WAS GEFORDERT IST 01 Sicherheitsfunktion spezifizieren (SRS) 02 Erforderlichen PL (PLr) bestimmen WAS ERREICHT WIRD 03 Architektur und Kategorie wählen 04 MTTFd je Kanal · 05 DCavg · 06 CCF ≥ 65 Punkte 07 Erreichter PL nach Bild 12 GEFORDERT PLr d ERREICHT PL e 10 Verifizieren: erreicht ≥ gefordert nicht erfüllt 11 Validieren geprüft von jemandem, der nicht entworfen hat 08 Fehlerausschlüsse und 09 systematische Ausfälle sind keine Rechenschritte — sie sind die Bedingungen, unter denen die rechte Seite überhaupt gilt. ZWEI ZAHLEN, EIN ABGLEICH WAS GEFORDERT IST 01 spezifizieren 02 PLr bestimmen PLr d WAS ERREICHT WIRD 03 Architektur 04 MTTFd · 05 DCavg 06 CCF · 07 Bild 12 PL e 10 erreicht ≥ gefordert nicht erfüllt: zurück zu 03 11 Validieren 08 und 09 sind keine Rechenschritte, sondern Bedingungen für die Rechnung.
Von elf Schritten erzeugen zwei eine Zahl. Am Ende steht nicht der bessere Wert, sondern der Abgleich der beiden.

Elf Schritte, und zwar je Sicherheitsfunktion, nicht je Maschine. Eine Maschine mit drei Funktionen durchläuft sie dreimal:

Pos
Schritt
Norm
Was danach vorliegt
Beispiel Pumpenaggregat
01
Sicherheitsfunktion spezifizieren (SRS)
ISO 13849-1 · 5
Je Funktion eine schriftliche Spezifikation: Eingang, Logik, Ausgang, sicherer Zustand, Reaktionszeit.
„Abdeckung öffnen → Antrieb sicher abschalten, Wiederanlauf verhindern.“ Sicherer Zustand: Antrieb drehmomentfrei.
02
Erforderlichen PL (PLr) bestimmen
ISO 13849-1 · Anhang A
Je Funktion der geforderte Performance Level, mit Begründung für jeden Parameter.
Schwere Verletzung, seltener Wartungszugang, kaum vermeidbar — daraus folgt PLr d.
03
Architektur / Kategorie wählen
ISO 13849-1 · 6.1.3
Die gewählte Kategorie und das Blockschaltbild der tatsächlichen Struktur.
Kategorie 3: zweikanalige Verriegelung der Abdeckung, sichere Auswertung, zweikanalige Abschaltung.
04
MTTFd je Kanal ermitteln
ISO 13849-1 · 6.1.4, Anhang C/D
Je Kanal die mittlere Zeit bis zum gefahrbringenden Ausfall, eingeordnet in ihre Klasse.
Verriegelung und Schütz liegen bei seltenem Zugang beide über der Kappungsgrenze. Klasse hoch.
05
DCavg ermitteln
ISO 13849-1 · 6.1.5, Anhang E
Der mittlere Diagnosedeckungsgrad, fehlerratengewichtet, in seiner Klasse.
Kreuzvergleich der beiden Schalterkanäle, Rückführung der Schütze über Spiegelkontakte.
06
CCF nachweisen (≥ 65 Punkte)
ISO 13849-1 · 6.1.6, Anhang F
Die Punktzahl gegen Ausfälle gemeinsamer Ursache — unter 65 zählt die ganze Rechnung nicht.
Getrennte Leitungsführung, Überspannungsschutz, EMV: 80 von 100 Punkten — ohne Diversität.
07
Erreichten PL ermitteln (Bild 12)
ISO 13849-1 · 6.1.8
Der erreichte Performance Level je Sicherheitsfunktion.
Kategorie 3, Haltbarkeit hoch, Diagnose mittel. Daraus folgt PL e.
08
Fehlerausschlüsse begründen
ISO 13849-1 · 6.1.10
Für jeden ausgeschlossenen Fehler eine Begründung, die unter allen Umgebungsbedingungen trägt.
Bruch der Schalterbetätigung — nur haltbar mit Angabe von Kraft und Richtung, nach ISO 14119.
09
Systematische Ausfälle & Software
ISO 13849-1 · 6.1.7, 7
Die Maßnahmen gegen systematische Ausfälle und der Nachweis für die Sicherheitssoftware.
Sicherheitslogik im Sicherheitsrelais statt im Standard-Umrichter, EMV-Festigkeit nachgewiesen.
10
Verifizieren: erreicht ≥ gefordert
ISO 13849-1 · 8
Je Funktion der Abgleich: erreicht mindestens so hoch wie gefordert. Sonst zurück in die Architektur.
Erreicht PL e, gefordert PLr d. Erfüllt, mit Reserve.
11
Validieren (V&V)
ISO 13849-1 · 10
Ein Validierungsplan und das Protokoll dazu — geprüft von jemandem, der nicht entworfen hat.
Abdeckung öffnen und Abschaltung prüfen. Einen Kanal trennen und prüfen, ob die Funktion erhalten bleibt.
Phase 6 · Dokumentation & Konformität

Hier entsteht nichts Neues. Hier fällt etwas heraus.

Risikobeurteilung, PL-Nachweise und Messprotokolle gehören gemeinsam und versioniert abgelegt — genau daran fällt diese Phase in der Praxis oft auseinander. Eine Entscheidung fällt aber doch noch: welches Konformitätsbewertungsverfahren gilt und ob eine dritte Stelle einzubinden ist. Ab dem 20. Januar 2027 verweist die Erklärung auf die Maschinenverordnung statt auf die Richtlinie — was sich damit sonst noch ändert, steht auf Insight 10.

WAS ZUSAMMENLÄUFT — UND WAS HERAUSFÄLLT Risikobeurteilung PL-Nachweise je Funktion Validierungsprotokolle Messprotokolle Betriebsanleitung PHASE 6 Technische Dokumentation versioniert, verknüpft Konformitäts- bewertung selbst oder dritte Stelle FÄLLT HERAUS EU-Konformitäts- erklärung + CE WAS ZUSAMMENLÄUFT Risikobeurteilung PL-Nachweise je Funktion Validierungsprotokolle Messprotokolle Betriebsanleitung PHASE 6 Technische Dokumentation Konformitätsbewertung selbst oder dritte Stelle FÄLLT HERAUS EU-Konformitätserklärung + CE
Fünf Unterlagen laufen zusammen, eine Erklärung fällt heraus. Sie wird nicht geschrieben, sie ergibt sich — wenn davor alles zusammenhängt.

Vier Schritte, an deren Ende die Erklärung steht:

Pos
Schritt
Norm
Was danach vorliegt
Beispiel Pumpenaggregat
01
Technische Dokumentation zusammenstellen
ISO 12100 · 7
Die vollständige technische Dokumentation, versioniert und untereinander verknüpft.
Risikobeurteilung, PL-Nachweis und das Protokoll der Stoppzeitmessung in einem Stand, mit Verweisen aufeinander.
02
Betriebsanleitung erstellen
ISO 12100 · 6.4
Eine Betriebsanleitung, in der die Restrisiken aus der Beurteilung tatsächlich vorkommen.
Restdruck und Temperatur vor der Demontage, Trockenlauf vermeiden, Nachlauf der Kupplung abwarten.
03
Konformitätsbewertung durchführen
MaschinenVO (EU) 2023/1230
Das durchgeführte Verfahren — in eigener Verantwortung oder unter Einbindung einer dritten Stelle.
Ein Standard-Pumpenaggregat zählt nicht zu den Maschinen mit hohem Risiko — Bewertung in eigener Verantwortung.
04
Konformitätserklärung & CE
MaschinenVO (EU) 2023/1230
Die unterschriebene EU-Konformitätserklärung und die CE-Kennzeichnung an der Maschine.
Nur die Maschinenverordnung: EMV und Niederspannung sind mit dem zugekauften CE-Schaltschrank bereits erklärt.
Häufige Fragen

Was zum Ablauf regelmäßig gefragt wird.

Wie geht man bei einer Risikobeurteilung Schritt für Schritt vor?

In sechs Phasen. Phase 1 klärt die Rolle und grenzt die Maschine ab, einschließlich der vorhersehbaren Fehlanwendung. Phase 2 bestimmt die zutreffenden Rechtsvorschriften und die anwendbaren Normen nach Typ A, B und C. Phase 3 ist die eigentliche Risikobeurteilung: Gefährdungen identifizieren, Risiko einschätzen, Risiko bewerten. Phase 4 mindert das Risiko nach der Drei-Stufen-Methode und wiederholt danach die Beurteilung vollständig. Phase 5 führt für jede Steuerungs-Sicherheitsfunktion den Nachweis des Performance Level — sie entsteht nur dann, wenn in Phase 4 eine Schutzeinrichtung mit Steuerungsbezug gewählt wurde. Phase 6 führt alles in der technischen Dokumentation zusammen, aus der am Ende die Konformitätserklärung fällt.

Was ist der Unterschied zwischen A-, B- und C-Normen?

Eine A-Norm ist eine Grundnorm und gilt für alle Maschinen — das ist ISO 12100. Eine B-Norm behandelt einen Sicherheitsaspekt oder eine Schutzeinrichtung über Maschinengattungen hinweg, etwa ISO 13849-1 für Steuerungen oder ISO 14119 für Verriegelungen. Eine C-Norm gilt für eine bestimmte Maschinengattung, zum Beispiel EN 809 für Pumpen, EN 1012 für Kompressoren oder EN ISO 12499 für den Berührungsschutz an Industrieventilatoren. Entscheidend ist die Rangfolge: Existiert eine C-Norm für Ihre Gattung, geht sie im Konflikt den A- und B-Normen vor.

Was ist der Unterschied zwischen vollständiger und unvollständiger Maschine?

Eine vollständige Maschine kann für sich allein bestimmungsgemäß verwendet werden. Sie bekommt die CE-Kennzeichnung, eine EU-Konformitätserklärung und eine Betriebsanleitung. Eine unvollständige Maschine kann das nicht; sie ist dazu bestimmt, in eine andere Maschine eingebaut zu werden. Sie bekommt kein CE-Zeichen, sondern eine Einbauerklärung und eine Montageanleitung. Entscheidend ist die Folge: Wer eine unvollständige Maschine einbaut, wird Hersteller der fertigen Maschine — nicht der, der sie geliefert hat.

Muss bei einem Umbau die Risikobeurteilung neu gemacht werden?

Das hängt an einer einzigen Frage: Ist der Eingriff eine wesentliche Veränderung? Wenn ja, gelten Sie für diese Maschine als Hersteller — auch dann, wenn Sie sie nie gebaut haben und auch dann, wenn die Maschine das Werksgelände nie verlässt. Dann folgen eine Risikobeurteilung für die veränderte Maschine, eine neue Konformitätserklärung mit neuer CE-Kennzeichnung und eine angepasste Betriebsanleitung. Ist der Eingriff nicht wesentlich, bleiben Sie Instandhalter und die vorhandenen Unterlagen bleiben gültig.

Was steht auf dieser Seite nicht?

Was in jedem Schritt konkret zu tun ist, welche Entscheidung dort fällt und welche Stolperfalle dort liegt. Diese Übersicht zeigt den Ablauf und den Norm-Abschnitt zu jedem Schritt, damit Sie im Original nachschlagen können. Sie erzeugt keine Nachweisdokumentation und keine Konformitätserklärung und ist keine Rechtsberatung.

Der praktische Anschluss

An welchem dieser Schritte hängt es bei Ihnen?

Meistens ist es nicht der ganze Weg, sondern ein einzelner Schritt: eine Konformitätsbewertung, die nicht mehr passt, ein PL-Nachweis ohne Validierungsprotokoll, eine Beurteilung, die den Wartungsfall nicht führt. 30 Minuten, keine Präsentation.

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Ausdrücklich. Diese Übersicht ist eine fachliche Orientierung und keine Rechtsberatung. Sie gibt keinen Normtext wieder — genannt werden ausschließlich Abschnitte, damit Sie im Original nachschlagen können. Die Gliederung in 26 Schritte ist eine Darstellung, keine Vorgabe der Norm. Die Beurteilung bleibt beim verantwortlichen Ingenieur.
Risikobeurteilung Schritt für Schritt