Funktionale Sicherheit Insight 11 · Nachweis

ISO 13849-1 · Performance LevelDer Performance Levelhängt selten am Bauteil.

Der häufigste Denkfehler ist, den PL in einem Schritt bestimmen zu wollen. Tatsächlich wird über fünf Ebenen von unten nach oben gerechnet, und jede hat ihre eigene Formel. Wer die Kette einmal durchrechnet, findet meist dasselbe: Bei einer selten betätigten Schutztür ist die Bauteillebensdauer gar nicht der Engpass. Entschieden wird das Ergebnis von Kategorie und Diagnose.

Insight 11, Reihe B, Konformität und Dokumentation. Die Sicherheitsfunktion, um die hier gerechnet wird, entsteht in Stufe 2 der Risikominderung — der Weg dorthin steht im CE-Weg, die Methodenfehler davor auf Insight 12.

01 · Wann gerechnet wird

Sobald eine Steuerung die Gefahr abstellt, schulden Sie eine Zahl.

Die Risikobeurteilung entscheidet zuerst konstruktiv: Kapselung, Abstand, Form. Erst wenn das nicht reicht, übernimmt eine Steuerung die Risikominderung — und damit ist die Sicherheit an ein Bauteil delegiert, das ausfallen kann. Ab da ist zu belegen, wie oft es das tut.

ERST KONSTRUIEREN, DANN RECHNEN GEFÄHRDUNG Kupplung, offen zugänglich Konstruktiv beseitigt Kapselung, Abstand, Form Kein Nachweis nötig Eine Steuerung übernimmt Schutztür + sicheres Abschalten Ab hier wird gerechnet gefordert: PLr d Die Risikobeurteilung entscheidet zuerst konstruktiv. Erst wenn das nicht reicht, übernimmt eine Steuerung — und ab da schulden Sie eine Zahl. ERST KONSTRUIEREN, DANN RECHNEN GEFÄHRDUNG Kupplung, offen zugänglich WEG 1 Konstruktiv beseitigt Kapselung, Abstand, Form → fertig ODER WEG 2 Eine Steuerung übernimmt Schutztür + sicheres Abschalten Ab hier wird gerechnet gefordert: PLr d Erst wenn die Konstruktion nicht reicht, schulden Sie eine Zahl.
Die Weiche, an der die Rechnung beginnt.

Der geforderte Wert kommt aus derselben Beurteilung: über den Risikograph in Anhang A wird je Sicherheitsfunktion ein PLr bestimmt. Der Fall dieses Blattes ist kein konstruierter: Tabelle 3 der ISO 13849-1 führt als erstes Beispiel die Verriegelungsfunktion — ausgelöst durch das Öffnen einer beweglichen trennenden Schutzeinrichtung, Reaktion sicher abgeschaltetes Drehmoment, PLr d. Der Kupplungsschutz am Pumpenaggregat ist die Anwendung darauf; die Wiederanlaufsperre ist eine eigene Funktion und in Tabelle 3 nicht aufgeführt.

02 · Was PL misst

PL ist keine Note. Es ist eine Häufigkeit.

Die Norm legt die Performance Level über die mittlere Häufigkeit eines gefahrbringenden Ausfalls je Stunde fest (Abschnitt 4.4, Tabelle 2). Gemessen wird also, wie oft die Schutzfunktion gefahrbringend versagt — so, dass die Gefahr wieder da ist.

WIE OFT, NICHT WIE GUT PL a 10⁻⁵ ≤ PFH < 10⁻⁴ 70 – 704 Ausfälle PL b 3·10⁻⁶ ≤ PFH < 10⁻⁵ 21 – 70 Ausfälle PL c 10⁻⁶ ≤ PFH < 3·10⁻⁶ 7 – 21 Ausfälle GEFORDERT ERREICHT, OHNE RESERVE PL d 10⁻⁷ ≤ PFH < 10⁻⁶ 0,7 – 7 Ausfälle PL e PFH < 10⁻⁷ weniger als 0,7 Ausfälle Die Norm legt die Performance Level über die mittlere Häufigkeit eines gefahrbringenden Ausfalls je Stunde fest (Tabelle 2). Die Ausfallzahl ist daraus umgerechnet: 100 Maschinen, 20 Jahre Gebrauchsdauer, 220 Betriebstage zu 16 Stunden — zusammen 7.040.000 Betriebsstunden. Ein Erwartungswert über viele Geräte, keine Zusage für eine einzelne Maschine. Die konstante Ausfallrate gilt nur innerhalb der Gebrauchsdauer (Abschnitt 6.1.8). WIE OFT, NICHT WIE GUT PL a 10⁻⁵ ≤ PFH < 10⁻⁴ 70 – 704 Ausfälle PL b 3·10⁻⁶ ≤ PFH < 10⁻⁵ 21 – 70 Ausfälle PL c 10⁻⁶ ≤ PFH < 3·10⁻⁶ 7 – 21 Ausfälle PL d 10⁻⁷ ≤ PFH < 10⁻⁶ 0,7 – 7 Ausfälle GEFORDERT ERREICHT PL e PFH < 10⁻⁷ weniger als 0,7 Ausfälle Die Norm legt die Performance Level über die mittlere Häufigkeit eines gefahrbringenden Ausfalls je Stunde fest (Tabelle 2). Die Ausfallzahl gilt für 100 Maschinen über die 20 Jahre Gebrauchsdauer, 220 Betriebstage zu 16 Stunden: zusammen 7.040.000 Betriebsstunden. Ein Erwartungswert über viele Geräte, keine Zusage für eine Maschine.
Fünf Stufen, eine Skala — und zwei Marken darauf.

Jede Stufe deckt eine Größenordnung ab: PL d reicht von einem gefahrbringenden Ausfall je zehn Millionen Betriebsstunden bis zu einem je Million — eine volle Zehnerpotenz. Erst darunter beginnt PL e. Der Faktor zehn liegt damit schon innerhalb einer einzigen Stufe: Zwei Steuerungen, beide PL d, dürfen sich um eine ganze Zehnerpotenz unterscheiden. Die Stufe nennt also nur den Bereich, in dem eine Steuerung liegt.

Eine Stufe gilt dabei immer für eine einzelne Sicherheitsfunktion; dieselbe Anlage führt Funktionen mit verschiedenen Stufen. Tabelle 3 der Norm zeigt zwei davon nebeneinander: die Verriegelung einer trennenden Schutzeinrichtung mit sicherem Abschalten verlangt PLr d, die sicher begrenzte Geschwindigkeit im manuellen Betrieb PLr c. Wie schwer der Schaden wäre, steckt dabei schon im geforderten PLr — der erreichte PL sagt nur noch, wie oft.

03 · Die Kennwerte

Jeder Kennwert hat genau eine Aufgabe.

Zehn Kürzel tragen die ganze Rechnung. Genau zwei davon kommen von außen — B10d aus dem Datenblatt, n_op aus dem eigenen Betrieb. Alles andere entsteht in der Konstruktion oder fällt hinten heraus.

Pos
Kennwert
Woher
Was es genau ist
Was es festlegt
01
PLr — geforderter Performance Level
Anhang A, Risikograph
Ergebnis der Risikobeurteilung, je Sicherheitsfunktion eine Stufe a bis e.
Die Messlatte. Alles Weitere wird dagegen gehalten.
02
PL — erreichter Performance Level
Bild 12, Anhang K
Was die gebaute Steuerung leistet, abgelesen aus Kategorie, DCavg und der MTTFd des Kanals.
Ob die Sicherheitsfunktion zulässig ist: erreichter PL ≥ geforderter PLr.
03
PFH — Ausfälle je Stunde
Tabelle 2
Die eigentliche Zahl hinter dem PL: mittlere Häufigkeit eines gefahrbringenden Ausfalls je Betriebsstunde.
Den PL. Die Stufe ist nur das Etikett eines Zahlenbereichs.
04
Kategorie — B, 1, 2, 3, 4
6.1.3
Die Struktur: ein- oder zweikanalig, mit oder ohne Test — und was ein einzelner Fehler anrichten darf.
Welche Säulengruppe in Bild 12 gilt. Kategorie 3 führt zwei Säulen, Kategorie 4 nur eine.
05
MTTFd — Zeit bis zum gefahrbringenden Ausfall, in Jahren
6.1.4, Anhang C und D
Kein Haltbarkeitsversprechen, sondern ein Erwartungswert über viele Geräte. Je Kanal bei 100 Jahren gekappt.
Wo in der Säule abgelesen wird. Klassen: niedrig 3 bis 10, mittel 10 bis 30, hoch 30 bis 100 Jahre.
06
B10d — Schaltspiele bis 10 % Ausfall
Herstellerangabe
Gilt nur für verschleißende Bauteile. Nennt der Hersteller nur B10, ist B10d = 2 · B10.
Die MTTFd des Bauteils — aber erst zusammen mit n_op.
07
n_op — Betätigungen im Jahr
aus dem Betrieb
Betriebstage mal Stunden mal 3600, geteilt durch die Taktzeit. Die einzige Größe, die kein Datenblatt liefert.
Wie schnell B10d aufgebraucht ist.
08
T10d — Zeit bis 10 % Ausfall, in Jahren
C.4.2
Die Zeit, nach der 10 % gefahrbringend ausgefallen sind. Bis dahin darf die Ausfallrate als konstant gelten — die MTTFd folgt daraus.
Die Austauschfrist. Liegt sie unter 20 Jahren, gehört sie in die Anleitung.
09
DCavg — mittlerer Diagnosedeckungsgrad, in Prozent
6.1.5, Anhang E
Wie viel von dem, was gefahrbringend ausfallen kann, die Steuerung selbst bemerkt. Mit den Ausfallraten der Blöcke gewichtet (Gleichung E.1).
Welche Säule innerhalb dieser Gruppe. In Kategorie 3 gibt es nur niedrig und mittel.
10
CCF — Ausfälle gemeinsamer Ursache, in Punkten
Anhang F
Kein Rechenwert, sondern eine Schwelle: 65 von 100.
Ob überhaupt gerechnet werden darf. Darunter gilt das Verfahren als gescheitert.
04 · Der Fall

Fünf Zeilen — und jede Formel hat einen Namen.

Jetzt der Fall, mit Zahlen. Die einzige Angabe, die aus keinem Datenblatt kommt, ist die Taktung: wie oft die Schutzeinrichtung betätigt wird.

B10d IST KEINE LEBENSDAUER Anteil gefahrbringend ausgefallener Bauteile Schaltspiele 0 10 % 20 % B10 = 500.000 alle Ausfälle B10d = 1.000.000 davon gefahrbringend Schütz aus dem Beispiel. Nennt der Hersteller nur B10, gilt B10d = 2 · B10 — die Annahme, dass die Hälfte der Ausfälle gefahrbringend ist. B10d IST KEINE LEBENSDAUER Anteil ausgefallener Bauteile 0 10 % 20 % B10 = 500.000 · alle Ausfälle B10d = 1.000.000 · gefahrbringend Schütz aus dem Beispiel. Nennt der Hersteller nur B10, gilt B10d = 2 · B10: die Annahme, dass die Hälfte der Ausfälle gefahrbringend ist.
Der Punkt, an dem jedes zehnte Teil gefahrbringend ausgefallen ist.
Pos
Größe
Woher
Rechnung
Ergebnis
01
n_op, Betätigungen im Jahr
Betrieb
Betätigungen im Jahr = Betriebstage · Stunden je Tag · 3600 / Taktzeit in Sekunden. 220 Betriebstage, 16 Stunden im Zweischichtbetrieb, Tür im Minutentakt: 220 · 16 · 3600 / 60.
211.200 Zyklen/a
02
MTTFd Türschalter
Herstellerangabe
Zeit bis zum gefahrbringenden Ausfall = Schaltspiele bis 10 % Ausfall / (0,1 · Betätigungen im Jahr). Mit 4,2·106 Schaltspielen: 4,2·106 / (0,1 · 211.200).
199 Jahre
03
MTTFd Schütz
Herstellerangabe
Dieselbe Formel mit 1,0·106 Schaltspielen. Nennt der Hersteller nur B10, also alle Ausfälle statt nur der gefahrbringenden, gilt B10d = 2 · B10.
47 Jahre
04
Kanal, Parts-Count
Anhang D
Ausfallrate des Kanals = Summe der Ausfallraten seiner Bauteile, denn ein einziger gefahrbringender Ausfall genügt. 1/199 + 1/47 = 0,02630 pro Jahr, der Kanal also 1 / 0,02630. Über 100 Jahren wäre auf 100 zu kappen; hier nicht nötig.
38 Jahre = hoch
05
T10d, Austauschfrist
Norm, C.4.2
T10d = Schaltspiele bis 10 % Ausfall / Betätigungen im Jahr — immer ein Zehntel der MTTFd. Liegt sie unter 20 Jahren, gehört der Austausch bei T10d in die Anleitung.
Schütz 4,7 Jahre
IN REIHE ADDIEREN SICH DIE AUSFALLRATEN, NICHT DIE JAHRE Türschalter MTTFd 199 Jahre Schütz MTTFd 47 Jahre ANTEIL AN DER AUSFALLRATE DES KANALS Türschalter · 19 % Schütz · 81 % 1/199 + 1/47 = 0,02630 pro Jahr Kanal 38 Jahre Klasse hoch, keine Kappung nötig Das schwächste Bauteil bestimmt den Kanal. Deshalb addieren sich die Kehrwerte und nicht die Jahre — und gekappt würde der Kanal, nicht das Bauteil. AUSFALLRATEN ADDIEREN, NICHT JAHRE Türschalter MTTFd 199 Jahre Schütz MTTFd 47 Jahre ANTEIL AN DER AUSFALLRATE Türschalter 19 % Schütz 81 % 1/199 + 1/47 = 0,02630 Kanal 38 Jahre Klasse hoch, keine Kappung Das schwächste Bauteil bestimmt den Kanal. Gekappt würde der Kanal, nicht das Bauteil.
Warum sich Kehrwerte addieren und nicht Jahre.
20 Jahre Gebrauchsdauer, mit denen die Norm rechnet. Der Kanal kommt auf 38 Jahre — aber nur, solange das Schütz alle 4,7 Jahre getauscht wird. Das ist kein Widerspruch zu seinen 47 Jahren MTTFd, sondern die Bedingung, unter der diese 47 Jahre überhaupt gelten. Steht der Hinweis nicht in der Anleitung, gilt die Rechnung nicht.

Warum nur ein Zehntel? Die 47 Jahre sind keine Lebensdauer, sondern der Kehrwert einer Ausfallrate — und diese Rate darf nur deshalb als konstant angesetzt werden, weil das Bauteil vorher getauscht wird. C.4.3 sagt es offen: die Verfahren der Norm setzen eine exponentielle Verteilung voraus, aber „für nicht-elektronische Bauteile ist eine Weibull-Verteilung wahrscheinlicher“ — eine Rate also, die mit dem Verschleiß steigt. Die exponentielle Näherung trägt nur bis zu dem Punkt, an dem 10 % gefahrbringend ausgefallen sind, und dieser Punkt ist T10d. Wer länger fährt, überschreitet nicht die Austauschfrist, sondern das Modell — und damit sind auch die 47 Jahre hinfällig. Der Faktor zehn ist deshalb die zehn Prozent selbst: MTTFd = T10d / 0,1 (Gleichung C.7).

Die Gegenprobe, bei der die Klasse kippt: dieselbe Tür im 20-Sekunden-Takt. n_op steigt auf 633.600, die MTTFd des Schützes fällt auf 16 Jahre und zieht den Kanal auf 13 — Klasse mittel, T10d 1,6 Jahre. Die B10d-Mathematik wird also erst bei hochgetakteten Aktoren scharf.

Damit steht der Kanal. Was daraus für ein PL wird, entscheiden Diagnose und Ausfälle gemeinsamer Ursache — Abschnitt 05.

05 · Diagnose und CCF

Zwei Werte kommen dazu: was auffällt, und was gemeinsam ausfällt.

Die 38 Jahre des Kanals sagen nur, wie haltbar die Bauteile sind — den PL bestimmen sie erst zusammen mit zwei Angaben ganz anderer Art: wie viel die Steuerung von ihren eigenen Fehlern bemerkt und ob gemeinsame Ursachen ausgeschlossen sind.

Der mittlere Diagnosedeckungsgrad wird mit den Ausfallraten gewichtet, nicht arithmetisch gemittelt: DCavg = Σ(DCᵢ / MTTFdᵢ) / Σ(1 / MTTFdᵢ). Der unzuverlässigere Block zieht den Wert also stärker nach unten, als ein Mittelwert vermuten lässt. Im Beispiel: Kreuzvergleich der Türschalter plus zwangsgeführte Rückführung der Schütze → rund 99 %, Klasse hoch (mittel ist 90 bis 99, hoch ab 99). Ausspielen lässt sich das nicht: Bild 12 führt Kategorie 3 nur mit DCavg niedrig und mittel.

WER ÖFTER AUSFÄLLT, ZÄHLT MEHR Türschalter MTTFd 199 Jahre · DC 99 % zählt 19 % Schütz MTTFd 47 Jahre · DC 85 % zählt 81 % ARITHMETISCH GEMITTELT (99 + 85) / 2 = 92 % — Klasse mittel MIT DEN AUSFALLRATEN GEWICHTET 88 % — Klasse niedrig Das Schütz fällt gut viermal so oft aus wie der Türschalter — deshalb zählt sein Diagnosewert viermal so stark. Die Klasse kippt. Hier mit ungleichen DC-Werten, um die Gewichtung zu zeigen. Im Beispiel des Blattes liegen beide bei 99 %. WER ÖFTER AUSFÄLLT, ZÄHLT MEHR Türschalter MTTFd 199 Jahre · DC 99 % zählt 19 % Schütz MTTFd 47 Jahre · DC 85 % zählt 81 % ARITHMETISCH GEMITTELT (99 + 85) / 2 = 92 % — mittel GEWICHTET 88 % — niedrig Das Schütz fällt gut viermal so oft aus wie der Türschalter — deshalb zählt sein Diagnosewert viermal so stark. Die Klasse kippt. Hier mit ungleichen DC-Werten, um die Gewichtung zu zeigen. Im Beispiel liegen beide bei 99 %.
Warum der schwächere Block den Diagnosewert bestimmt.

Ausfälle gemeinsamer Ursache sind kein Rechenwert, sondern eine Vorbedingung. Anhang F bewertet acht Positionen — von der Trennung der Signalwege über Diversität, Schutzbeschaltung und bewährte Bauteile bis zu EMV und Umgebungsbedingungen — und verlangt mindestens 65 von 100 Punkten. Darunter gilt das Verfahren als gescheitert; fällig sind dann zusätzliche Maßnahmen. Im Beispiel kommen 80 zusammen, ohne die 20 für Diversität: die sind bei redundant-gleichen Kanälen praktisch nie zu holen.

Damit ist die Kette geschlossen. Kategorie 3, DCavg mittel, Kanal 38 Jahre — das ergibt PFH = 1,8 · 10−7, also PL d und genau das geforderte PLr d.

06 · Wo das Verfahren endet

Drei Ausgänge — und nur einer trägt Ihre Zahl.

Das Ergebnis aus Abschnitt 05 gilt, solange der Fall überhaupt in diesem Verfahren liegt. Dafür gibt es drei Möglichkeiten.

GILT, WAS SIE GERECHNET HABEN? IHR ERGEBNIS PL d, Kategorie 3 AUSGANG 1 Es trägt. Randbedingungen und Grundannahmen gehalten — die Zahl steht. AUSGANG 2 Es trägt nicht. Fünf Fälle machen den Nachschlag ungültig — dann gilt die volle Zuverlässigkeitsrechnung. AUSGANG 3 Der Fall lag nie hier. Bekannte PFH-Werte (6.2.2), kein MTTFd verfügbar (6.1.9), mehrere Teilsysteme (6.2). Nur Ausgang 1 belegt einen PL. Die beiden anderen führen in ein anderes Verfahren. GILT, WAS SIE GERECHNET HABEN? IHR ERGEBNIS PL d, Kategorie 3 AUSGANG 1 Es trägt. Die Zahl steht. AUSGANG 2 Es trägt nicht. Volle Zuverlässigkeitsrechnung. AUSGANG 3 Der Fall lag nie hier. 6.2.2 · 6.1.9 · 6.2 Nur Ausgang 1 belegt einen PL. Die beiden anderen führen in ein anderes Verfahren.
Die Weiche am Ende — die Gegenfigur zu Abschnitt 01.

Ausgang 1 — es trägt. Alle Randbedingungen und alle drei Grundannahmen sind gehalten, und die designierte Architektur ist wirklich gebaut. Dann belegt der Nachschlag den PL, und die Rechnung ist fertig.

Ausgang 2 — es trägt nicht. Der Nachschlag ist dann ungültig, und es gilt die volle Zuverlässigkeitsrechnung. Fünf Fälle lösen das aus:

  • Eine Randbedingung ist verletzt — die Kappung der MTTFd je Kanal bei 100 Jahren (Kategorie 4: 2.500) oder die Testrate bei Kategorie 2 von mindestens dem Hundertfachen der Anforderungsrate.
  • Eine der drei Grundannahmen trägt nicht — 6.1.8 nennt sie ausdrücklich: 20 Jahre Gebrauchsdauer, konstante Ausfallraten darin, β = 2 % gegen CCF.
  • Die reale Struktur weicht ab — ungleiche Kanäle, geteilte Blöcke, mehr als ein Quervergleichspunkt.
  • MTTFd niedrig soll mit hohem DC kombiniert werden — ein Feld, das die Tabelle nicht führt.
  • Ein Fehlerausschluss bekommt tragende Bedeutung — dann hängt der PL an dessen Begründbarkeit, und das ist keine Rechenfrage mehr. Dazu Insight 13.

Ausgang 3 — der Fall lag nie hier. Für Elektronik gilt das alles nicht: Logikbausteine und Sicherheitsrelais haben keinen B10d, dort nennt der Hersteller direkt einen PFH-Wert, und man rechnet nach 6.2.2 weiter. Das alternative Verfahren ganz ohne MTTFd (6.1.9) gilt für mechanische, hydraulische und pneumatische Bauteile, für die es überhaupt keine Zuverlässigkeitsdaten gibt. Und gerechnet wurde hier durchgehend ein Teilsystem: Führen mehrere gemeinsam eine Sicherheitsfunktion aus, addieren sich ihre PFH-Werte (6.2.2, Beispiel in Anhang H), und der Gesamt-PL ist zweifach begrenzt — durch die Summe nach Tabelle 2 und durch den niedrigsten PL eines einzelnen Teilsystems. Ein schwaches Glied zieht die Kette also auch dann herunter, wenn die Summe noch reichen würde.

Und unser Beispiel? Es liegt in Ausgang 1 — aber knapp. Das Schütz verschleißt, seine Ausfallrate ist also nicht von sich aus konstant; sie darf nur deshalb als konstant gelten, weil bei 4,7 Jahren getauscht wird. Ohne diesen Satz in der Anleitung trifft es Ausgang 2.

07 · Häufige Fragen

Was beim Nachweis regelmäßig gefragt wird.

Wie berechnet man den Performance Level nach ISO 13849-1?

Nicht in einem Schritt, sondern über fünf Ebenen von unten nach oben. Bauteil: aus B10d wird MTTFd. Kanal: die Bauteile liegen in Reihe, die Kehrwerte addieren sich. Teilsystem: DCavg und der CCF-Nachweis mit mindestens 65 Punkten. Nachschlag: aus Kategorie, DCavg und der MTTFd des Kanals wird der PL abgelesen — mit dem genauen Wert, nicht mit der Klasse. Verknüpfung: mehrere Teilsysteme werden zusammengeführt. Erst danach steht der erreichte PL — und er muss mindestens so hoch sein wie der geforderte PLr.

Wie rechnet man den B10d-Wert in MTTFd um?

Über die Zahl der Betätigungen im Jahr: MTTFd = B10d / (0,1 · n_op), mit n_op = (Betriebstage · Betriebsstunden · 3600) / Zykluszeit in Sekunden. Ist der gefahrbringende Anteil vom Hersteller nicht angegeben, gilt B10d = 2 · B10, also eine Annahme von 50 %. Je Kanal wird auf 100 Jahre gekappt, bei Kategorie 4 sind bis 2.500 Jahre möglich.

Was bedeutet der B10d-Wert eines Bauteils?

Die Zyklenzahl, bei der 10 % der Bauteile gefahrbringend ausgefallen sind — nicht irgendwie ausgefallen. Er gilt für verschleißende, elektromechanische Bauteile: Türschalter, Schütze, Ventile. Für Elektronik gibt es ihn nicht; dort wird über die Ausfallrate gerechnet, oder der Hersteller nennt direkt einen PFH-Wert.

Wann reicht Kategorie 3 für PL d oder PL e?

Mit DCavg niedrig kommt Kategorie 3 über PL d nicht hinaus — selbst bei den maximal ansetzbaren 100 Jahren steht dort 1,01 · 10−7 und damit um ein Prozent zu viel für PL e. Mit DCavg mittel erreicht sie PL e, aber erst ab rund 60 Jahren MTTFd des Kanals; darunter bleibt es bei PL d. Die Klasse „hoch“ allein reicht dafür nicht: sie beginnt bei 30 Jahren, und dort steht noch PL d. Es zählt der genaue Wert aus Anhang K.

Warum muss ein Bauteil schon nach einem Zehntel seiner MTTFd getauscht werden?

Weil die MTTFd aus dieser Frist folgt und nicht umgekehrt. Die Verfahren der Norm setzen exponentiell verteilte Ausfälle voraus; für nicht-elektronische Bauteile ist eine Weibull-Verteilung wahrscheinlicher, also eine mit dem Verschleiß steigende Rate. Als konstant darf sie nur gelten, solange die Gebrauchsdauer auf T10d begrenzt wird (C.4.3). Wer länger fährt, überschreitet das Modell — dann gilt auch die MTTFd nicht mehr, die daraus gerechnet wurde. T10d ist immer ein Zehntel der MTTFd (Gleichung C.7): bei 47 Jahren also 4,7 Jahre.

Der praktische Anschluss

Wer in Ihrem Haus sagt Ihnen, ob die PL-Nachweise stimmen?

Meist rechnet einer, und geprüft wird das Ergebnis, nicht der Weg. Dabei entscheidet sich an wenigen Stellen, ob eine saubere Rechnung auch trägt — sie stehen alle in diesem Blatt. 30 Minuten an Ihrem Nachweis, keine Präsentation.

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08 · Quellen

Woran die Rechenwege belegt sind.

  • [1] DIN EN ISO 13849-1:2023-12, Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen, Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze. Abschnitt 6.1.4 mit Anhang C und D für B10d, Parts-Count und Symmetrisierung; 6.1.5 mit Anhang E für den Diagnosedeckungsgrad; 6.1.6 mit Anhang F für die CCF-Punkteliste; 6.1.8 und Anhang K für den Nachschlag und die PFH-Werte; 6.2 mit Anhang H für die Verknüpfung mehrerer Teilsysteme.
  • [2] ISO 13849-2:2012, Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen, Teil 2: Validierung. Anhänge A bis D mit den anerkannten Fehlerausschlüssen und den grundlegenden sowie bewährten Sicherheitsprinzipien für mechanische, pneumatische, hydraulische und elektrische Teile.
  • [3] Das Rechenbeispiel ist eine Demonstration, keine Messung. Betriebstage, Betriebsstunden, Taktzeit und die beiden B10d-Werte sind plausible Annahmen. Sie stammen aus keinem konkreten Mandat und werden hier nicht als Erfahrungswerte ausgegeben. Was daran belastbar ist, sind die Rechenwege und die Randbedingungen, nicht die Zahlen.
  • [4] Eigene Lehrtätigkeit: Online-Seminar bei DIN Media, „Neue Maschinenverordnung: Vom Regelwerk zur effizienten Engineering-Praxis“, Termine 2027. Behandelt die Risikobeurteilung und die Einbindung der Nachweise in Produktstruktur und PDM-Systeme — also die Frage, wo die hier gerechneten Nachweise später wiederzufinden sind.
Insight 11